ELsa Rieger

ELsa Rieger
Foto by Christian Rieger

23. März 2015

Gewinnspiel abgeschlossen



Herzlichen Glückwunsch den Gewinnern des kleinen Ratespiels, wie viele Bücher gab es vor Helene?

Richtig geantwortet haben:

Geli http://geli-lichtblickedeslebens.blogspot.co.at/

Darkage-Castle http://darkage-castle.blogspot.co.at/

Herzlichen Glückwunsch, Ihr habt eines meiner Bücher Eurer Wahl gewonnen, ausgenommen Helene.

Alle anderen haben sich leider verrechnet, vielleicht beim nächsten Mal.

Eure Elsa

18. März 2015

Helene auf der Leipziger Buchmesse 2015 und das Gewinnspiel

Liebe Freunde, 

die Buchmesse war für mich ein großes Ereignis, immerhin durfte ich meinen neuen Roman mit einer Lesung vorstellen. 60 Zuhörer waren beachtlich angesichts der Unmengen an Veranstaltungen. Dazu kam, dass ich am letzten Messetag um 16h gelesen habe, mit so einer Zuhörerschaft war da wirklich nicht zu rechnen. Ich freu mich! 





Es war durchaus aufregend, sich gegen die Lärmkulisse rundum zu behaupten, Dank der Tontechnikerin hat es gut geklappt. Auf dem Film, den ich demnächst zeigen werde, sind die Nebengeräusche leider mit drauf, da die Kamera den Raumton eingefangen hat. Aber vielleicht macht es trotzdem Spaß, mich zu sehen und zu hören, um einen Eindruck zu bekommen.
Hier noch ein paar Impressionen von dort.










 

Und nun findet endlich auch das versprochene Gewinnspiel statt!

Die Frage lautet: Wie viele Bücher habe ich vor dem neuen Roman




veröffentlicht? Die Antwort findet sich in diesem Blog.

Die ersten 5 Leser, die die Frage beantworten können, gewinnen ein Buch ihrer Wahl (Helene ausgenommen).

Antworten bitte hier als Kommentar.

Viel Spaß,
Eure Elsa




4. März 2015

Du Schöne



vom Wind gezauste
da auf den Klippen überm Meer

breitest die Arme
singst übers Möwengeschrei
hinweg dein süßes Lied
von Sehnsucht


ELsa Rieger


3. März 2015

Abendgedanken


Fällt die Dämm'rung ein zeigt sich
der Himmel rosagrau mit einem Schuss
türkis - wie deine Augen - mir
weicht's die Stelle unterm Brustbein auf
die zu benennen im Gedichteschreiben
so verpönt


Ich steh am Fenster schau auf den Tagestod
rot jetzt flammt zwei Sekunden noch der Horizont
ehe die Nacht sich senkt da draußen
und in mir



Elsa Rieger

2. März 2015

Leseprobe aus Helene sucht eine grosse Zehe und entdeckt die Wirklichkeit

Leseprobe:

Helene ist fünfundzwanzig, sie kommt gerade von ihrem Vater, der sie zum Geburtstag damit überrascht, dass er sie zur Teilhaberin der Dessousfabrik macht.

Als ich zwanzig war, konnte er nicht stolz auf mich sein, ich war ihm peinlich. Heute verstehe ich das. Ich sehe mich, wie ich vor ein paar Jahren barfuß durch die Stadt zu Django lief, nach einem Streit mit Papa wegen der beschissenen Unterhosen, die ich in der Phase meiner Lehrzeit nähen sollte. Ich denke, Django war damals der einzige Jamaikaner in ganz Österreich, klar, dass ich ihn haben wollte.
Bei ihm kauerte ich auf dem Linoleumboden, und er saß auf seinem abgewetzten Sofa über mir. Meine Fingernägel waren so schwarz wie die Fußsohlen, ich pulte den Schmutz zwischen den Zehen heraus. „Drecksfabrik! Am besten, ich werde schwanger, dann wird er Ruhe geben.“
Vergebens versuchte ich, den Blick meines Liebsten unter den dichten, langen Wimpern einzufangen.
„Bitte!“
Er heizte das Dope an. „Magst du auch?“
„Mach mir ein Kind. Bitte!“ Lauter.
„Ekelhaft.“
„Du vögelst doch gern. Was ist schon dabei?“ Schreiend.
Django hustete nach dem Lungenzug. Er schob das Kinn vor in Richtung Flur. „Geh duschen!“
Vielleicht war er besserer Laune, wenn ich seinem Wunsch nachkam.
Ich war erst ein paar Mal bei ihm gewesen. Er kam lieber in meinem Elternhaus vorbei. Es sei edler, sagte er. Außerdem gab es bei ihm nie etwas zu essen. Kennengelernt hatte ich ihn im Voom-Voom, der schrägsten Disco Wiens. Zuhause gab ich vor, an diesen Tanzabenden eine Freundin zu besuchen. Papa hätte niemals zugestimmt, dass seine Tochter in ein derartiges Lokal ginge. Django arbeitete dort hinter der Theke und schenkte Bier aus. Eines Abends war ich sturzbetrunken, weil ich nur mit ihm ins Gespräch kam, wenn ich etwas bestellte. Mutig fiel ich ihm um den Hals, das kam ihm entgegen, er legte mich in der Personalgarderobe aufs Kreuz. Seitdem waren wir ein Paar.
Mit seiner Nagelbürste schrubbte ich die schmutzigen Fußsohlen, das heiße Wasser färbte sich langsam von Dunkelgrau zu Hellgrau. Endlich war es durchsichtig, ich stieg aus der Dusche und trocknete mich ab. Als ich ins Zimmer zurückkam, war Django zugedröhnt. Ich umschlang seinen Nacken, setzte mich auf seinen Schoß und küsste ihn.
„Ein Kind“, flüsterte ich ihm ins Ohr.
Anfallartig begann er zu lachen, seine Dreads wippten im Takt der Stöße. Plötzlich schubste er mich von seinen Schenkeln.
„Du spinnst doch!“
Ich landete mit dem Hintern auf dem Linoleumboden. Nachdem ich mich angezogen hatte, schlug ich Django ins Gesicht.
„Dann scheiß ich auf dein Einverständnis, Idiot! Ich krieg schon, was ich will!“
Er hielt sich die Wange, trat nach mir. Doch er erwischte mich nicht mehr. Ich war bereits aus der Tür, spuckte sie an und lief davon. So ein Arsch!
Zuhause setzte ich mich auf die Schaukel meiner Kindheit im alten Nussbaum und beobachtete meine Mutter Margarethe. Die sprach im Singsang, wenn sie sich über die Beete beugte oder die verblühten Rosenköpfe aus den Ranken zupfte. Die Blumen nannte sie: „Meine Schönen.“ Mit mir schimpfte sie oft, beklagte sich über mein Benehmen. Nacktschnecken schnitt sie entzwei und Wühlmäuse verfolgte sie mit dem Spaten. Über die regte sie sich am meisten auf. Wenn sie selten genug eine stellte, erschlug sie die mit Genuss.
„Verdammtes Rattenpack!“, schrie sie auch an diesem Tag, als sie eine erwischt hatte.
„Lass sie leben“, bat ich. Mutter hörte nicht, sie fuhr damit fort, Schnecken aus dem Gras zu rupfen, zu halbieren und in einem roten Kübel zu sammeln. Der Ast, an dem die Seile hingen, knarrte, als ich von der Schaukel sprang. Ich war immer noch stinkwütend auf Django, Zorn über Mutter kam dazu, ich entriss ihr den Henkel des Eimers. Entführte die armen Mollusken und schüttete sie über den Palisadenzaun auf die saure Wiese, neben den schmalen Bach, der dort floss.
„Stell dir vor, ich schneide durch deinen Bauch“, antwortete ich Margarethes hasserfülltem Blick.
„Ich bin längst entzwei“, entnahm ich ihrem Murmeln.
Diesen Satz hatte ich schon einmal gehört … ich muss sehr klein gewesen sein. Als ich eines Abends aufwachte, hörte ich Papa und Margarethe nebenan im Schlafzimmer streiten. Wortfetzen nur, aber mein Vater schrie. Er, der mich sonst nur liebevoll streichelte und mir schöne Dinge sagte, schrie. Mein weißes Nachthemd schleifte auf dem Boden, als ich mit meinem Krokodil ins Vorzimmer schlich, zu ihnen wollte. Sie sollten wieder lieb sein. Ich mochte die lauten Stimmen nicht hören und hielt mir die Ohren zu.
Auf einmal war es ruhig. Diese plötzliche Stille machte mir Angst. Zitternd hob ich mein Plüschtier wieder auf, drückte es an die Brust, um mich zu beruhigen. Leises Gemurmel. Dann hörte ich Margarethe weinen. „Ich bin schon entzwei“, schluchzte sie.
Worte und Bilder verschwammen. Mutter warf die Schnecken auf die Wiese, Mengen. Unverhohlen starrte ich sie an, sah, wie sie oberhalb ihres Nabels auseinanderbrach. Das Blut spritzte nicht, sondern landete in fetten Tropfen im Gras. Im Schneckentempo krochen die davon.
Bizarr.
Margarethes Herz flutschte aus der Wunde, kullerte ins Saatbeet für die Kapuzinerkresse. Mit Wasser aus der Gießkanne säuberte ich das pulsierende Ding von der Erde und steckte es wieder unter Mutters Brust. Dann lief ich zum Geräteschuppen, nahm die Rolle mit Sisalseil an mich; es diente zum Festbinden der Ranken am Geländer. Damit flickte ich die Schnittstelle über den Rippen zusammen.
„Du bist meine Blume, Helene“, sagte Margarethe zu mir und sank auf die Wiese. „Dein Selbstmordversuch hat mir das Herz gebrochen.“
Das kam unerwartet, katapultierte mich in die reale Welt zurück. Es schockierte mich. Hatte ich ihr hartes Herz durch die Operation aufgeweicht? Ich legte den Kopf in Mutters Schoß. „Die Sache vor zwei Jahren mit den Tollkirschen tut mir leid, auch wenn es eher ein Unfall war“, wiegelte ich ab, und es stimmte, denn umbringen wollte ich mich nicht wirklich.
Papas Stimme schreckt mich aus meinen Gedanken.
„Wieso starrst du denn Löcher in die Luft?“ Keinesfalls will ich ihm jetzt erzählen, dass ich an eine Phase meines Lebens gedacht habe, die er nicht besonders gut fand. „Das Schild, Papa, ich freu mich so! Ausgesprochen modern!“, lenke ich ab.
Er schmunzelt. „Man muss ja mit der Zeit gehen.“ (...)


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Eure Elsa

1. März 2015

Woher kommt Helene


Heute möchte ich ein wenig über die Entstehung meines Romans Helene sucht eine große Zehe und entdeckt die Wirklichkeit erzählen. 

Es ist mein zwanzigstes Buch und für mich zugleich mein wichtigstes Buch. Die Anfänge von Helene habe ich vor mehr als drei Jahren zu Papier gebracht. Wie fast alle meine Geschichten fiel mir die Idee wörtlich vor die Füße.

Ich lebe in Wien, mitten in der Altstadt, 1. Bezirk, keine fünf Minuten vom Stephansdom entfernt. Meistens mache ich um diesen einen großen Bogen, da er ständig mit Touristen gefüllt ist. Eines Tages, ich weiß bis heute nicht, warum, hatte ich nach einem Spaziergang Lust, die Kirche aufzusuchen. Obwohl es ein herrlicher Sonnentag war, waren nur wenige Touristen unterwegs. Wer Wien besucht hat, kann sich eine Vorstellung von "wenig" machen. Nach einiger Zeit hatte ich sogar ein Plätzchen ergaunert. Irgendwann bemerkte ich, dass die Besucher nicht mehr das Innenleben des Doms betrachteten sondern eine junge Frau, die im Hauptschiff unterhalb der Orgel tanzte. Ein faszinierender Anblick. Ich kannte das Mädchen, sie wohnte nicht weit von mir. Sie war zu diesem Zeitpunkt achtzehn, vielleicht auch schon neunzehn Jahre alt. Wie viele Jugendliche in ihrem Alter hatte sie ihre ersten Drogenerfahrungen gemacht und war an Schizophrenie erkrankt. Je nach Phase, in der man sie antraf, grüßte sie lustig wie ein Mädchen ihres Alters oder ging mit gesenktem Kopf an mir vorbei, ganz vertieft in Gespräche mit Personen, die ich nicht sehen konnte. Just an jenem Tag tanzte sie im Sephansdom, völlig ausgelassen. Ab und zu hielt sie inne, führte ein kurzes Gespräch, kicherte und tanzte weiter.
Ich weiß nicht, was mich in diesem Moment mehr beeindruckte: das Mädchen, ich nenne sie jetzt Helene, oder die ganzen Touristen, die ihr Tun aufmerksam verfolgten. Die Blicke der Menschen waren offen, kein "Fremdschämen" war zu bemerken. Es freute sie offensichtlich, berührte sie.
Irgendwann hatte Helene mich entdeckt und kam, immer noch tänzelnd, fast schwebend, auf mich zu. Mir wurde ein wenig unbehaglich, weil ich befürchtete, damit auch zum Mittelpunkt zu werden. Flucht war allerdings zwecklos, dazu standen die Menschen ringsherum viel zu gedrängt. Also blieb ich sitzen und schickte, der Örtlichkeit angemessen, ein Stoßgebet in Richtung Himmel, besser gesagt, Kuppel. Die Leitung nach oben war offensichtlich gestört, den Helene kam immer näher, blieb dann kurz vor mir stehen und stürzte sich ohne Vorwarnung auf meine Füße. Dabei murmelte sie immer wieder monoton: "Gib ihr die Zehe wieder, Krokodil. Ich weiß, dass du sie hast!"
Meine Gefühle in diesem Moment, als meine Schuhe durch die Luft flogen, muss ich nicht weiter schildern. Dies könnt ihr euch sicher vorstellen. Helenes Gesichtsausdruck hingegen zeigte Enttäuschung, als sie meine Zehen vollzählig sah. Lange störte es sie nicht, denn sie richtete sich wieder auf, lachte mich freundlich an und verschwand wieder. Ich auch, so schnell ich konnte.

Und genau aus diesen Momenten heraus entstand mein Roman, in dem es auch um Fantasie und Wirklichkeit geht. Und auch um eine Zehe. Und nicht zuletzt um die Frage, unabhängig von dem Krankheitsbild des Mädchens, wie viel Fantasie (-welt) unser Leben braucht, damit wir zufrieden existieren können. Denn ohne Fantasie ist die Welt manchmal zu schwer zu ertragen.

Mein Roman selbst geht über das Erlebnis hinaus, birgt ein wahres Familiengeheimnis, dem "meine Helene" auf die Spur kommt. Und dennoch hatte ich immer dieses beeindruckende Erlebnis im Hinterkopf.

Eure Elsa

Dieser Blog wird durch das Deutsche Literaturarchiv Marbach archiviert.

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