ELsa Rieger

ELsa Rieger
Foto by Elsa Rieger

18. April 2014

beginn



herzweit liegen
unter knospen

sachten frühling
atmen und schon

sommer schmecken
in seiner wucht



(c) Elsa Rieger

23. Februar 2014

Davon, ein Kind zu sein

Zuerst als Töchterl, Augenstern des Papas, wär mir das Liebste gewesen, hätte die Mutter sich in Luft aufgelöst. Fortgemacht hinter die sieben Berge. Viel zu schön war sie doch und so elegant. Was brauchte er sie? Ich wollte Papa heiraten, ich war doch seine Liebe! Aber Mutter blieb.

Später änderte sich alles; Vaters Eifersucht auf die Burschen, mit denen ich mich als Teenager in den Wiener Diskos herumtrieb, war einer unserer Konflikte. Der andere entstand durch meine Weigerung, um spätestens zehn wieder auf der heimatlichen Türschwelle zu stehen.
„Lass das Kind doch“, sagte Mama, nachdem ich mich bei ihr beklagt hatte, „in dem Alter steht einem zu, Spaß zu haben, sich ein Bild von der Welt zu machen.“
„Im Voom-Voom? In der Camera?“ Er wollte es nicht akzeptieren.
„Und du treibst dich in der Edenbar herum. Die ganze Nacht!“, wehrte ich mich gegen die Einschränkung.
Da fing ich meine erste Ohrfeige ein. Es blieb bei der einen, aber das konnte ich damals nicht wissen. Er schrie. „Erstens bin ich erwachsen, zweitens geht dich das nichts an und drittens gibt es dort keine Drogen, ha!“
Ich schrie auch. „Und dein Whiskey? Wenn du manchmal erst am Morgen heimkommst, stinkst du danach, so!“ Dann machte ich einen Abgang und warf schön laut die Tür meines Kinderzimmers zu. Dort waren die Wände mit Posters von Pierre Brice als Winnetou und Marlon Brando in Bikermontur tapeziert.
Mama ließ ich ein, ihn nicht. Sie erklärte mir, dass es Papas Liebe, seine Sorge um mich sei und dass er bald verstehen werde, mich loszulassen.

Jahre gingen vorbei, ich hatte nun selbst ein Baby. Es war mein Augenstern. Wenn ich den Buben betrachtete, während er trank, wusste ich jetzt schon, dass ich Kämpfe mit ihm ausfechten, ihm nicht ohne weiteres mit Kumpels oder gar mit Mädchen ausgehen lassen würde.
Papa streichelte den flaumigen Kopf des Enkelsohnes und Mama hielt dessen Fingerchen in ihrer Hand.
Fast zugleich sagten meine Eltern: „So ist es immer. Zuerst.“







22. Februar 2014

Liebster Award


Ich wurde von Danka Todorova nominiert, ein paar Fragen zu beantworten und selbst weitere Autoren zu nominieren, die dann "Kelch" dann kriegen und weiterreichen.

Hier die Fragen und meine Antworten:

1. Hast du ein Buch, welches ein sehr wichtiger und bedeutender Begleiter in einer Phase deines Leben war?
Klar. In verschiedenen Phase gab es verschiedene wichtige Bücher für mich. Vielleicht war Hotel New Hampshire von John Irving eines der prägendsten. Da begann ich, darüber nachzudenken, dass ich selbst gern schreiben will.


2. Hast du einen Wunsch, der bislang unerfüllt blieb?
Einen? :-)


3. Wenn es etwas gäbe, was du in der Welt oder in der Gesellschaft ändern könntest, was wäre das?

Das Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich, Menschenhandel, Kindernot.

4. Mit welchem Genre aus dem Bereich Bücher könntest du dich gar nicht anfreunden?
Ernstgemeinten Horrorkram, auf Porno reduzierte Erotika.  

5. Hast du einen besonderen Bezug zur Natur, gibt es etwas was dich fasziniert?

Ich bin jährlich gut 6 Monate auf dem Land, ich liebe den Jahreszeitenwechsel, das Aufblühen und Vergehen.

6. Bei welcher Musik kannst du dich so richtig gehen lassen und tauchst dabei ein?
Bei Barockmusik und Rock'n'Roll.

7. Kennst du ein Bauwerk, welches dich „magisch“ anzieht und das es auf der ganzen Welt nur einmal gibt?
Die Alhambra

8. Gibt es ein Erlebnis in deinem Leben, welches dich positiv geprägt hat, an das du dich gern erinnerst?
Meine Kindheit.
 
9. Von welchem Film oder Buch würdest du dir unbedingt eine Fortsetzung wünschen?
Clockwork Orange 
 

10. Gibt es eine Tätigkeit die du unheimlich gern ausübst?
Schreiben.

11. Hattest du als Kind einen Traumberuf?

Schauspielerin

Ich nominiere folgenden Autoren:

Kerstin Werner

Pat McGraw
Akiko Kawabata
RdV Heldt
Maria Noel

Runa Winacht
Viel Spaß beim Antworten

wünscht Elsa Rieger

12. Februar 2014


auf abwegen

abwägen obs sinnvoll
oder katastrophal

lohn nach dem weg
durchs dornengebüsch
nach dem zerstechen
dem zerfetzen des kleides

geht dort der himmel
auf erden für kleine fünf minuten
liebesrausch auf drüben gebaut

fünf minuten werfen übern haufen
ein gut geplantes leben
verderben gewohntes lieben
der lieben die lieben

schlösse sich die dornenwand
für immer hinter einem
wärs einfach ein verschwinden
ja dann packte ich den säbel
und schlüge drein ...


(c) ELsa Rieger
Bild: Henri Rousseau

6. Februar 2014

Ich spaziere durch Städte, bevorzugt durch meine Geburtsstadt Wien, und sehe zwischen den flanierenden Menschen eine Gestalt, die sonst keiner erblickt.
Ich entdecke in diesem rothaarigen Mädchen eine Geschichte. Ihre Geschichte von Liebe und Qual, in der sie sich einem Mann ausliefert, sich seiner Obsession hingibt, die letzten Endes ihr Tod sein wird. Nein, ich denke, sie wird es überleben und fortan als wahre Königin durch das Leben wandeln. Warum? Weil sie zu reizend ist, um sie sterben zu lassen.
Oder ich sitze im Kaffeehaus nahe der Hofburg, und sehe nicht, dass der alte, magere Mann seine Adlernase in einen Cognacschwenker senkt, um den Duft des Weinbrands aufzusaugen, der ihm Sekunden von Erinnerungen an eine bessere Zeit schenkt, lange, ehe er von den Nazis nach Auschwitz verschleppt wurde, lange, bevor er halbnackt und abgemagert in eine Stadt heimkehrte, in der die Einwohner nur ein paar Schritte vom Kaffeehaus entfernt auf dem Heldenplatz „Heil!“ gebrüllt haben.

Ich schreibe über das, was ich nicht sehe, aber dennoch über alles, was es geben könnte. Vielleicht. 


eBook und Taschenbuch unter anderem hier zu erwerben.

Und ich freu mich gerade über eine schöne Rezension:

"Wunderbarer Sammelband:
Schon das Vorwort beeindruckt. Hier „sitzt“ jedes Wort! Dann die erste Geschichte: „Wenn ich einmal sterbe“. Unter dem Einfluss dieser Erzählung, die einfach hinreißend geschrieben ist, habe ich sofort beschlossen, endlich meine Dinge zu ordnen.
Elsa Riegers Kurzgeschichten sind so vielschichtig wie das Leben. Oft spielen sie in ihrer Heimatstadt Wien, aber auch auf fremden Kontinenten. Die Wiener Geschichten verströmen einerseits einen gewissen Kaffeehaus-Charme, anderseits offenbaren sie auch das Grantlerische, leicht Melancholisch-Morbide, das man den Wienern nachsagt. Obwohl die Autorin auch ernste Themen wie Krankheit, Tod, Nazi-Vergangenheit oder Vorurteile nicht ausspart, gibt es immer zumindest die Andeutung einer Hoffnung. Die Texte sind nie moralisierend, sorgen sogar oft für Heiterkeit. Man merkt ihnen an, dass sie von einer gebildeten, lebenserfahrenen Frau geschrieben wurden, die mit Sprache umzugehen versteht und lebensnahe Dialoge und glaubhafte Figuren zu erschaffen weiß.
Besonders eindringlich fand ich „5 Minuten und 4 Sekunden“, ein Monolog, der einen geplanten Suizid in ergreifende Worte fasst. Am meisten zum Lachen gebracht hat mich „Das schwarze Schaf“ mit dem vermeintlichen Piraten. Die als Märchen angelegte Erzählung „Im Datenwald des Web 2.0“ nimmt höchst unterhaltsam die drohenden Auswüchse des World Wide Web vorweg.
Elsa Rieger ist eine echte Entdeckung für mich. Ihre Geschichten tragen das Qindie-Gütesiegel völlig zu Recht. Ein wunderbarer Sammelband, der sich wohltuend vom Mainstream abhebt."


Vielen Dank sagt ELsa
 

Dieser Blog wird durch das Deutsche Literaturarchiv Marbach archiviert.

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❝ Mich fasziniert das Menschsein, Menschbleiben in unserer Welt der Polaritäten. Ist es nur möglich, ein kriegerisches 'Entweder - Oder' ins Leben hinauszubrüllen und darauf zu beharren, Recht zu haben? Oder haben wir die Chance, uns auf ein behutsames 'Sowohl - als auch' einzulassen und in die Welt zu tragen, damit sich die Akzeptanz unter uns ausbreiten kann? Die Akzeptanz, dass schwarz nicht immer einfach schwarz und weiß nicht unbedingt für jeden gleich weiß ist.  Sowohl als auch. Das verbinde ich in meinen Texten. ❞ Elsa Rieger, Autorin VERÖFFENTLICHUNGEN: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.2800686977919.145964.1280901273&type=1

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