ELsa Rieger

ELsa Rieger
Foto by Elsa Rieger

28. Juli 2014

anfangen



jetzt da alles gesagt ist
über jahre gesammelter hass
jegliche nähe erstickt
spritzen giftfontänen
aus mündern – zersetzen
einst geflüsterte worte

der liebe

jetzt da alles gesagt ist
die panzer der selbstbeherrschung

zerbrochen – das wegsehen vorbei
ist es zeit sich zu sammeln
zu weinen über verlorenes
ein jeder für sich

 
jetzt da alles gesagt ist
die freiheit zu reden beginnt
der sprung von der klippe
in die wahrheit

jetzt
etwas neues
wagen



4. Juli 2014



In meiner Stadt
Die Fantasie reitet durch enge Gassen
wo alte Frauen ihre Dackel pinkeln lassen
und stets Geschichte neben einem schreitet

Hell lacht der Wolferl Amadeé
Der Augustin lallt: Alles tuat ma weh
der Pesthauch liegt in den Gemäuern

Der Basilisk fletscht immer noch das Maul
vor dem Fiaker hinkt ein müder Gaul
Touristen schwärmen übern Graben

Im Beisel Geigenschmalz erklingt
ein Gast das gold’ne Herz besingt
da wird mir schrecklich und auch gut

Prinz Eugen winkt steif hernieder
am Heldenplatz sammelt sich’s wieder
das Gestern wächst kräftig empor

Nicht weiter tragisch wird’s genommen
wir sind durch vieles schon geschwommen
sind Meister des Vergessens

Wien is a wunderschöne Leich’
mit einem finsteren Bereich
und dennoch lieb ich es



(c) ELsa Rieger
Foto: Schönlaterngasse

1. Juni 2014

Traumreise



Traumreise

schaukeln im rosenumrankten
Garten träger Sommerzeit
die nach Limonade schmeckt
ewig ist in Kindertagen

reiten zu Oasen und Datteln
pflücken in blauen Tüchern mit
Tuaregs tanzen im Zelt zwischen
Wüstenblumen

Lust die wilde Lust wird breit
im Schein der Nacht endlos das Lied
vom Verschmelzen bis das Licht
die Dämmerung teilt


(c) Elsa Rieger
Foto: Marian Stermschegg

29. Mai 2014

frühlingselflein



himmelwärts
mohngedanken ziehn
spazieren am wienfluss
im mai ohne worte
sonnengeflutet



ELsa Rieger

6. Mai 2014

Im Angedenken an Monika Kafka

Lesung 2010 - da war die Welt noch in Ordnung


Ich brauchte einige Tage, um diese Nachricht zu verkraften.
Monika Kafka verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit in der Nacht des 30. April 2014

Sie war viele Jahre hindurch eine sehr gute Freundin, menschlich und literarisch. Es macht mich sehr traurig, dass Mo so schrecklich jung von uns gegangen ist.

Wir schrieben viele Gedichte, die aufeinander abgestimmt waren.

Hier eine kleine Auswahl meiner Texte, die sich auf ihre Texte beziehen:



grün fädelst du dein licht

in nächte ebenholzgedunkelt
ganz ohne scham hinein
geknüpft zersplittertes wie
auch bewahrtes und worte sind
das matten perlen gleich

wäschst in erinnerungen
den ganz besondren glanz
aus dem die bilder steigen
erträumt verloren ausgefüllt

*


herzklopfen

zunächst ein fremdeln
flattern in blauen augen

trittst ein in lebenshautnah

dazwischen sondieren
behutsam die wärme

so leicht das zusammensein

am ende schokolade
im kindermundwinkel

*


– ich liebe dich, wie man die dunklen Dinge liebt,
heimlich, zwischen Seele und Schatten –
Pablo Neruda

und das macht Angst

du malst mir schillernd Anmut
in die Mitte und bin ich doch
nur graues Leinen grobgewebt

beleuchtest mich mit deinem Lächeln
– dem Rosenmund –
unbeirrbar in der Leidenschaft

*

Adieu, meine liebe Mo.



Dieser Blog wird durch das Deutsche Literaturarchiv Marbach archiviert.

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❝ Mich fasziniert das Menschsein, Menschbleiben in unserer Welt der Polaritäten. Ist es nur möglich, ein kriegerisches 'Entweder - Oder' ins Leben hinauszubrüllen und darauf zu beharren, Recht zu haben? Oder haben wir die Chance, uns auf ein behutsames 'Sowohl - als auch' einzulassen und in die Welt zu tragen, damit sich die Akzeptanz unter uns ausbreiten kann? Die Akzeptanz, dass schwarz nicht immer einfach schwarz und weiß nicht unbedingt für jeden gleich weiß ist.  Sowohl als auch. Das verbinde ich in meinen Texten. ❞ Elsa Rieger, Autorin VERÖFFENTLICHUNGEN: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.2800686977919.145964.1280901273&type=1

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