ELsa Rieger

ELsa Rieger
Foto - Christian Rieger

10. Juni 2016

Spiegelzauber



Seh mich
in deinen Augen –
bin ich bezaubernd schön
erblick ich mich durch meine –
möchte ich sogleich verweh’n

Hör deine sanften Worte
fühle geborgen mich
vergess den rauen Ton
in dem ich sprech zu mir

Bin bloß ein Nichts
aus meiner Sicht
doch spür ich deine Hände
glaub ich dir mehr als mir

ELsa Rieger
Bild: Lilya Corneli

5. Juni 2016

AUTOREN-CAMP IM HERZEN WIENS



Workshop für Autorinnen und Autoren im privaten Rahmen
Bei mir zuhause geht es zur Autoren-Sache – die Teilnehmer können bei Bedarf gerne ebenda auch nächtigen: Bring Deinen Schlafsack mit. An Raum herrscht kein Mangel und Frühstück gibt es auch.

Programm:

Donnerstag: Ankunftsnachmittag ab 17 Uhr
Ein entspanntes Kennenlernen

1. Tag
Mit Speck fängt man die Maus
Das geheimnisvolle Aktmodell
Folge dem Ruf
Bordmittel blockieren die Heldenreise
Verfluchte Krisen, Katastrophen, Wendepunkte
Das Finale naht – Showdown und Kiss-Off

2. Tag
Die Masken – Konflikte sind Programm des jeweiligen Charakters
Der körperliche Ausdruck verrät uns den Seelenzustand des Menschen
Figurenentwicklung ist die Basis jeder Geschichte

3. Tag
Dein Text wie neu!
Prämisse/Plot
Exposé
Plotline/Szenenbau

Termin: Donnerstag, 10. bis Sonntag, 13. November 2016
Preis: 350 Euro
Adresse: 1010 Wien, Köllnerhofgasse 6
Maximal 6 Teilnehmer (Laptop oder Kladde bitte mitbringen), denn es geht vor allem (nach ein bisschen hilfreicher Theorie) darum, dass die Interessierten ihr laufendes Projekt bzw. ihre erste Idee mitbringen und wir daran arbeiten.
Eine durchaus intensive Sache, da man sehr eng zusammen sein wird in dieser Zeit.







3. April 2016

Amour Fou


Amour Fou

was haben wir erhofft
in verrauchten Jazzkellern
und Reden geschwungen
oft dummes Zeug
als Beatniks mit wehendem Haar
einmal

dann gings flott voran
Heirat, Kindergeschrei, Alltagskram
Zusammenraufen, Auseinanderleben
Wege suchen, verwerfen, suchen
rausausdemhausdiekinder
und die Hoffnung von damals

und dann kommst du über mich

du mit deinem heißen Herzen
und Gesten deiner Hände, Augen
Lippen suchend den Satz
in einem Meer von Wörtern
das Strahlen dann, wenn er gefunden
mit deinem heißen Herzen, du

Elsa Rieger
Foto: Beatniks at Beat Cafe Original caption: 11/14/1959-New York, NY: Greenwich Village

12. März 2016

Mein neuer Roman - bald


Ich bin zurzeit sehr beschäftigt, um ein Manuskript fertigzustellen. Begleitet wird meine Arbeit von dem tollen Lektor Michael Lohman, der mich auch unglaublich freundlich willkommen heißt, siehe Link.
 
Hier eine Leseprobe aus der Erstfassung meinen neuen Romans in progress, viel Spaß.

1. Kapitel

Franz brannte darauf, Schorsch zu treffen. Er befand sich schon vor ihrem Stammlokal, aber es hatte noch geschlossen. Fünf Uhr nachmittags, er schaute auf die Armbanduhr, da könnte er glatt noch neue Kletterschuhe im Sportladen um die Ecke in der Bäckerstraße besorgen! Dort trödelte er herum, probierte dieses und jenes Paar, entschied sich schließlich für eines in violett und gelb. Die Schuhe legten sich wie eine zweite Haut um seine Füße, dementsprechend kostspielig waren sie. Egal, dachte Franz, euphorisch, wie er sich gerade fühlte.
Endlich war es achtzehn Uhr und Franz sprintete in die Nebengasse. Er öffnete die Tür „Zur Löwengrube“ so schwungvoll, dass die Klinke gegen den Garderobenständer krachte. Im letzten Moment erwischte er noch die Holzstange, ehe das Teil zu Boden gehen konnte. Gleich würde Marvin schimpfend aus der Küche kommen. Doch nichts geschah.
Franz staunte. Schwarze Plastikmesser an blutroten Schleifen baumelten von der Decke. Sogar das Klavier war damit dekoriert. Dann fiel ihm ein, dass heute auf der zusammengezimmerten Bühne ein Stück gespielt wurde. Da gab es kaum eine Chance, in Ruhe mit Schorsch zu reden; ob er überhaupt kam? Franz nahm ein Programm vom Tisch. „Jack the Ripper“ – er grinste, das passte zu Marvin. Kaum gedacht, hörte er ihn in der Küche keifen. „Was hast du wieder für einen Dreck zusammengekocht!“
Marvin schien seinem Hyppolith gleich an die Gurgel zu gehen. Da hielt er sich lieber raus, wenn zwei Liebende stritten.
Er schlug das Heft auf. Die Miss Chloé wurde von einer Feh Hartenstein gespielt. Hartenstein hieß die Konkurrenz, deretwegen ihn sein Chef gefeuert hatte, was sich aber nach dem ersten Schock als die Chance erwiesen hatte, endlich seinen Traum wahr werden zu lassen! Manchmal brauchte es wohl einen Tritt in den Allerwertesten, um zu kapieren; Franz lachte in sich hinein.
Besagtes Bauunternehmen hatte ein dichteres Netzwerk. Außerdem Preise abgeräumt. Franz schalt sich, es war doch jetzt vollkommen wurscht, sein Leben als Bauzeichner war beendet, ein neues hatte bereits begonnen und es war höchste Zeit, seinen besten Freund Schorsch in die Pläne einzuweihen.
Die Plastikmesser am Bühnenvorhang klirrten leise, Franz blickte auf, der Vorhang teilte sich und eine kleine schlanke Person trat hervor, sie sah sich um. Von ihrem Gesicht konnte Franz unter der Schminke kaum etwas erkennen – aber der Körper in dem kurzen Kleid war echt. Das Mädchen sah ihn aus grünblauen Augen an, wischte das schwarze Kunsthaar beiseite.
„Sie sind zu früh!“, sagte sie leise.
„Sind Sie Miss Chloé?“ Er lachte.
Das Mädchen schwieg.
„Bestimmt, so wie Ihre Augen funkeln“, fügte er hinzu. Was redete er da?
Sie durchwühlte ihre Perücke mit den rot lackierten Fingern. „Ja. Ich bin das leichte Mädchen, das den Bösewicht killt.“
„Und Ihr Vater ist nicht zufällig der bekannteste Baumeister von Wien?“
Miss Chloé schaute, als hätte sie einen Wurm verschluckt und verschwand hinterm Vorhang. Franz nahm seinen Einkaufssack mit den Schuhen und betrat durch die Schwingtür neben dem Ausschank die Küche.
„Servus“, sagte er.
Hyppolith lehnte am Gasherd. Mit verschränkten Armen glich er dem jungen Belmondo, und er schaute Franz genauso verkniffen an. Hinter seinem Rücken brodelte es in einem großen Topf, vor ihm stand Marvin, dicklich und einen Kopf kleiner als sein Lebensgefährte, und umklammerte Hyppoliths Unterarme.
„Was hast du wieder für einen Dreck zusammengekocht!“, wiederholte er erschüttert. Sein runder Körper zitterte vor Ärger.
„Hey, so schlimm kanns doch nicht sein?“ Franz fürchtete, dass seinen Freund irgendwann der Schlag treffen würde. Cholerisch war er schon mit elf gewesen, jetzt, älter geworden, schwoll Marvins Gesicht allmählich zu einem Ballon an.
„Der bildet sich ein, für heute Abend einen englischen Fraß kochen zu müssen, ich könnte kotzen.“
Franz lachte. „Der arme Hyppo hat’s doch nur nett gemeint.“ Er schlenderte auf den Herd zu und lüftete den Deckel des Topfes. Was ihm da entgegenduftete, roch wirklich nicht besonders.
„Du Banause, brauchst nicht so gucken, das ist ein Stew“, pfiff Hyppolith ihn an, riss sich die Schürze vom Leib und stürmte davon.
Marvin öffnete den Kühlschrank, studierte den Inhalt. „Es gibt Cucumber-Sandwiches zum Jack the Ripper. Basta.“
Franz schnappte sich eine Cocktailtomate. „Ein gutes Stück?“
„Geht so. Aber die Kleine, die den Jack schließlich killt, die ist richtig süß.“
„Das habe ich schon bemerkt.“ Franz lachte.
„Was machst du eigentlich schon hier?“, fragte Marvin.
„Ich war in der Gegend. Hab mir Kletterpatschen gekauft, Superangebot. Weißt eh, gegenüber vom Klettergarten, wo Schorsch und ich trainieren.“
„Apropos Schorsch, er hat angerufen, dass er knapp kommen wird heut, weil die irgendeine Einschulung am Kommissariat haben, wo er dozieren muss, der Herr Hauptkommissar.“

Eine Stunde später füllte sich das Lokal, bald waren alle Tische besetzt und Marvin musste allein bedienen. Vermutlich saß Hyppolith daheim und schmollte. Franz übernahm die Theke. Marvins rotes Gesicht glänzte. „Wer zum Teufel holt die Gurkenbrötchen aus der Küche?“
„Ich.“ Kriminalkommissar Georg Kirchner hatte im Trubel unbemerkt die Löwengrube betreten, jetzt zupfte er sich den fahlblonden Zopf zurecht. Er war ein wilder Hund, der Schorsch, für einen, der bei der Polizei arbeitete, würde man ihn nie halten. Der lange Zopf, das bunte Hemd, als wäre er gerade aus Hawaii gekommen, und die Sonnenbrille mitten in der Nacht, die wohl seinen Blick nach feschen Miezen verbergen sollte. Er, Franz und Marvin, der damals mit seinen Eltern aus Irland eingewandert war, waren seit dem Gymnasium dicke Freunde, besiegelt durch Blutsbruderschaft.
„Na, du schaust ja wieder aus!“ Franz lachte. „Nach der Vorstellung muss ich dir was erzählen. Gut, dass du da bist.“
„Na hörst, ein Mordstück, das lass ich mir net entgehen.“ Schorsch bleckte die strahlendweißen Zähne, die leicht vorstanden, und bewegte sich im Wildkatzengang zur Küche, um mit einem großen Tablett voller Gurkenbrötchen wiederzukehren.
Schließlich waren alle Gäste versorgt, Marvin dimmte das Licht im Zuschauerraum und schaltete die Spots für die Bühne ein, worauf ein irres Lachen ertönte, das durch Mark und Bein ging. Der Vorhang rutschte zur Seite, das Spektakel begann mit einem Erzähler im Cut, der vom erschröcklichen Tod des Hurenmörders Jack the Ripper berichtete, herbeigeführt von Miss Chloé, die dafür am Galgen baumeln würde.


Text Elsa Rieger
Bild Jürgen Nießen bei pixelio

26. Januar 2016

Hörbuch



Liebe Freunde,

bei mir gibt es was schönes Neues, ein Hörbuch mit meinen Gedichten, begleitet von Melodien
ist erschienen.

Eine unmögliche Liebesgeschichte

Eure Elsa

3. Januar 2016

verweht



ehe ich endgültig welke
schließlich verschwinde
von hier
will ich ...

ehe es mich verweht
wie das letzte birkenblatt
im november
will ich ...

ehe das große versinken
im dunkel beginnt
umgeben von erde
will ich ...

ja was nur ...

vor dem welken, verwehen, versinken
ist voll das leben ~ ich schöpfe es aus ~
will nichts mehr nachher

ELsa Rieger

Dieser Blog wird durch das Deutsche Literaturarchiv Marbach archiviert.

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