Vertonung von: Der grosse Metaphysiker kehrt in die Avantgarde zurück
Der große Metaphysiker kehrt in die Avantgarde zurück
Der große Metaphysiker betrachtete mürrisch die Nachtfalter,
sie tanzten um die Straßenlaterne.
Er hatte Blumen gekauft auf dem Marktplatz,
aber das war schon lange her
und es gab keinen Grund sich daran zu erinnern.
Wozu denn, wozu das nutzlose Herumirren am Rand der Stadt?
Irgendjemand berührte seine Schulter. Einfach so unterwegs
sah er sein Gesicht, ähnlich gelb wie der Löwenzahn.
Er wollte sich an noch manche Details erinnern,
aber er gab auf. Wozu denn, wozu die Erinnerung
an die abgestorbenen Pflanzen?
Gestern, außerhalb der Stadt, wurde
auf dem kleinen Friedhof sein bester Freund beigesetzt.
Er legte Blumen hin. Jemand stotterte das Trauerlied,
erwähnte Verdienste oder etwas Ähnliches.
Aber wozu, wozu diese Abreise in die Hölle?
Der große Metaphysiker streckte theatralisch seine Arme aus.
Hoch über den Wolken erzitterte ein Stern
und fiel vor seine Füße nieder. Als er den Fuß hochzog
mit der Absicht ihn zu treten, hielt er inne.
Wozu denn, wozu noch dieser Tod?
© by @miro
27. September 2008
18. September 2008

ELsa:
die stadt ist leer von dir – rotbraune blätter
rascheln
unter meinen schritten
verharre vor dem brunnen – jetzt
mit brettern winterlich
vermacht
ich atme noch
dein sommerkleid
küsse die noten auf
deinen lippen: guten morgen
jean harlow
wie war die nacht
dein zug geht um halbzehn
– ich werde nicht dort sein
Miro:
noch wenige stunden – ich bin da
ohne erinnerungsdruck
lege meine
täglich aufgelegte maske ab
auf dir beliebte straße deiner stadt
und endlich: guten morgen
geliebte
wie war deine name
nicht kommst du
an mir vorbei
auch wenn unser gedächtnis
– nicht anders
als ein streichholz leuchtet
by ELsa / © by @miro
Aus dem Gemeinschaftprojekt: Stadtlieben von Elsa Rieger/Miroslav Dusanic
Foto: Martin Schemm http://www.pixelio.de
12. September 2008

nun stirbt der sommer
die vögel schweigen lustbefreit
durch leere nester weht der wind
häuft birkenblätter auf die bank im garten
wo den letzten kuss wir tauschten
die nächte fallen eher
bedecken stille einsamkeit
unter dem federbett
Hören
by ELsa
Foto: Emmes http://www.pixelio.de
6. September 2008
wund
gebissen meine lippen
weil ich dich nicht lieben kann
wolltest mich verstummen lassen:
worte sagen nichts
mir den leib beinah zerrissen schriest:
was teilst du dann das bett
erhobst die hand ich hielt dir stand
verstehe deinen jammer
jedoch was hilft’s weiß dennoch nicht
was ist wonach dich dürstet
by ELsa
Eine schöne Antwort:
Die Wiese.
Die Liebe.
Spielen darauf...
Gemeinsam, doch
Jeder seines.
Die Wiese ist grün.
Die Liebe ist rot.
Das wissen wir.
Was
Wissen wir?
Voneinander?
by Petros
Gemälde: ELIS
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