27. September 2008

Vertonung von: Der grosse Metaphysiker kehrt in die Avantgarde zurück

Der große Metaphysiker kehrt in die Avantgarde zurück

Der große Metaphysiker betrachtete mürrisch die Nachtfalter,
sie tanzten um die Straßenlaterne.
Er hatte Blumen gekauft auf dem Marktplatz,
aber das war schon lange her
und es gab keinen Grund sich daran zu erinnern.
Wozu denn, wozu das nutzlose Herumirren am Rand der Stadt?

Irgendjemand berührte seine Schulter. Einfach so unterwegs
sah er sein Gesicht, ähnlich gelb wie der Löwenzahn.
Er wollte sich an noch manche Details erinnern,
aber er gab auf. Wozu denn, wozu die Erinnerung
an die abgestorbenen Pflanzen?

Gestern, außerhalb der Stadt, wurde
auf dem kleinen Friedhof sein bester Freund beigesetzt.
Er legte Blumen hin. Jemand stotterte das Trauerlied,
erwähnte Verdienste oder etwas Ähnliches.
Aber wozu, wozu diese Abreise in die Hölle?

Der große Metaphysiker streckte theatralisch seine Arme aus.
Hoch über den Wolken erzitterte ein Stern
und fiel vor seine Füße nieder. Als er den Fuß hochzog
mit der Absicht ihn zu treten, hielt er inne.
Wozu denn, wozu noch dieser Tod?


© by @miro

18. September 2008



ELsa:

die stadt ist leer von dir – rotbraune blätter
rascheln
unter meinen schritten

verharre vor dem brunnen – jetzt
mit brettern winterlich
vermacht

ich atme noch
dein sommerkleid
küsse die noten auf

deinen lippen: guten morgen
jean harlow

wie war die nacht


dein zug geht um halbzehn
– ich werde nicht dort sein


Miro:

noch wenige stunden – ich bin da
ohne erinnerungsdruck
lege meine

täglich aufgelegte maske ab

auf dir beliebte straße deiner stadt
und endlich: guten morgen
geliebte

wie war deine name


nicht kommst du
an mir vorbei

auch wenn unser gedächtnis
– nicht anders

als ein streichholz leuchtet


by ELsa / © by @miro

Aus dem Gemeinschaftprojekt: Stadtlieben von Elsa Rieger/Miroslav Dusanic
Foto: Martin Schemm http://www.pixelio.de

12. September 2008



nun stirbt der sommer

die vögel schweigen lustbefreit
durch leere nester weht der wind
häuft birkenblätter auf die bank im garten
wo den letzten kuss wir tauschten

die nächte fallen eher
bedecken stille einsamkeit
unter dem federbett

Hören




by ELsa
Foto: Emmes http://www.pixelio.de

11. September 2008

6. September 2008



wund

gebissen meine lippen
weil ich dich nicht lieben kann

wolltest mich verstummen lassen:
worte sagen nichts

mir den leib beinah zerrissen schriest:
was teilst du dann das bett

erhobst die hand ich hielt dir stand
verstehe deinen jammer

jedoch was hilft’s weiß dennoch nicht
was ist wonach dich dürstet

by ELsa

Eine schöne Antwort:

Die Wiese.
Die Liebe.
Spielen darauf...
Gemeinsam, doch
Jeder seines.

Die Wiese ist grün.
Die Liebe ist rot.
Das wissen wir.
Was
Wissen wir?

Voneinander?


by Petros

Gemälde: ELIS

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