ELsa Rieger

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ProLyKu-Schreibforum


23. September 2007

Heute verstarb 84-jährig Marcel Marceau, Freund meiner Kindheit.



Aurevoir, Monsieur Bip

als Kind genügte mir dein
Winken mit der Blume
ein Zwinkern aus dem Harlekingesicht
erst später wusste deinen Körper ich
zu deuten: Tragik des Lebens
mit aller Absurdität – c’est tout!

Bonne nuit, Marcel Marceau

by ELsa

20. September 2007



löschung

du schlappst
meer gerichtet zu
verschwinden
zwischen muscheln oder tang

dort draußen sirent ein
schleppschiff – kalkbeladen
(tote in gruben löscht man damit)

kühler salzgeschmack
auf meinen lippen lächelt
häme ein wenig
schief die hoffnung: vergesst mich

doch am ufer
schreit einer um hilfe


by ELsa

Foto : Günther Moro

16. September 2007



/– als eine regenperle
über dein augenlid gleitet
– sara dusanic/


erkenne ich
wie tief die herzabschürfung
durch die gesamtheit
deiner worte geht – du sie dir
alle tage wund und heillos schreibst

gut ist das
für jene zu sehen
die hoffnungen verloren

(peitscht weiter
hält wach)

ich sehe
nicht die regenperle nässte dein augenlid
es ist der sturm von innen
überschwappend – mörderisch

Hören

by ELsa, inspiriert von:


sommerruf

als eine regenperle
über dein augenlid gleitet
gabst du endlich auf
mit deinem erdbeermund
an wolkenfetzen
den sommer zu gebären

© by Sara Dušanić http://miroslavdusaniclyrik.blogspot.com/

Bild: Ivan Titor

14. September 2007


/als sie ertrunken war
in den flüssen
– b.b – /


sah sie ihn an – sagte:
bleib

nichts gutes versprach sein
mund – wundgeküsst durchschnitt
ein „ich kann nicht“ die süße
getränkte luft

und sie tauchte ab
zwischen daunen – erstickte
die sehnsucht und still wurde es

Hörversion

by ELsa

Foto: Bryan Remer

11. September 2007

9/11

wie jedes jahr das flaue gefühl
im magen
dreitausenddrei
inklusive entführern
(den angeblichen)

sie haben die westliche welt
konditioniert – nur wer?


by ELsa

10. September 2007


die wilden tränen der penelope

heldendrang treibt
übers meer vergisst
daheim - meine odyssee

entsagung schwellt schenkel
zu verbergen: ich bin weib
wieder und wieder das
leichentuch gewebt

der bogen spannt sich
zu keiner stunde
– tag für tag sehnen
übers wasser drängt
sirenengesang ohrwärts

jahrzehnte ungefreit
vertrocknetes warten
auf einen könig – meinen bettler


by ELsa


eine treffliche Sicht als Kommentar:

Namentlich
"Geschälte Haut"
Durch die Frucht
Der Buhle
(Ihren Zauber)
Kein Grab kennend

(c)Petros (http://blogpoesie.de/)

Bild: Seyyit Bozdogan

07. September 2007

Nacht II


Oh, wie liebe ich, wenn nächtens alles stille wird
die Menschen ihren Atem in die Kissen strömen
und hie und da die Zehen tanzen unter Decken
Dann ist die Zeit mich einzusammeln
und zu schreiben


by ELsa

06. September 2007

Nacht I


letzte nacht - am fenster rauschte regen -
ließ ich revue passieren wie es mir so geht
voller verwunderung nach langem lauschen
breitete stille sich in meinem sinn


by ELsa

Bild: Elis Stemberger

05. September 2007


minotaurus

im schatten dreier säulen
hörner neigen dir den kopf
nicht demut

(den heißen atem fühlte ich erst später)

bereit durch tod dein labyrinth zu schützen
(frucht des betrugs und selber opfer)

gehetzte

rollen augen unter schweißbenetzter stirn
und laufen gegen minos mauern

durchbohrt die beute
brandet jubel blutig auf

(ich weiß darum – und dennoch lieb ich dich)


by ELsa

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