ELsa Rieger

ELsa Rieger
Foto - Christian Rieger

22. Juli 2010



verlorene träume

sie war so zart
zerbrechlich anzuseh’n
kaum traute mann sich, zuzupacken

doch im elfengleichen körper
hinter perlendem lachen
unter feinem haar
in dem tiefen augenblau
jenseits voller brüste
biegsamer schenkel, zärtlicher scham
ganz innen verborgen

ohnmächtige wut
offene wunden
tiefe verzweiflung ob dieser welt
und ein zerissenes herz

sie starb an der sehnsucht nach liebe



gewidmet meiner Schwester + 07/1999

©Elsa Rieger

mit innigem Dank an Petros für sein Antwortgedicht:

Mit den Augen
las ich
Mit dem Herzen
spürte ich
Mit den Händen
Griff ich
In die Leere
Der Zeit

ErINNERung -
Sagbares
Schreibbares
Ist nicht dabei

(c) Petros



Collage: Günther Ludwig

Kommentare:

Dagmar hat gesagt…

Liebe Elsa,

so oft ich diese Zeilen auch gelesen habe, sie sind immer wieder tief traurig und sehr bewegend.
Liebe, Trauer und Hilflosigkeit werden bleiben.
Und der Wunsch auf viel Kraft für die Überlebenden.

Liebe Grüße
Deine Dagmar

schreibtalk hat gesagt…

Liebe Dagmar,

solange es auch schon her ist, im Juli bleibt es schwer ...

Vielen Dank!
Elsa

Gerda hat gesagt…

Oh, meine liebe Elsa, das ist sehr persönlich und ein sehr sensibler edler Nachruf.
Zeit reißt manchmal Wunden.
LGG

schreibtalk hat gesagt…

Liebe Gerda, vielen Dank für deinen einfühlsamen Kommentar.

Herzliche Grüße
ELsa

Helmut Maier hat gesagt…

Zeit kann beides: Wunden aufreißen und Wunden heilen lassen. Auf jeden Fall lenkt sie den Blick aufs Wesentliche.

Mitfühlende Grüße
Helmut

syntaxia hat gesagt…

Nicht nur so berührend, weil ein echtes Leben dahinter stand.
Vielmehr weil es so bekannt.
Nach außen, das perlende Lachen
wischt nicht die inneren Wunden fort...

Einen herzlichen Gruß und eine Umarmung für dich, liebe Elsa
..von Monika

schreibtalk hat gesagt…

Lieber Helmut, Daten sind nicht wegzubekommen, merkwürdig ist das ...

Liebe Monika, ich freu mich, wenn der Text ohne den speziellen Bezug funktioniert, danke!

Herzlich euch,
ELsa

petros hat gesagt…

Mit den Augen
las ich
Mit dem Herzen
spürte ich
Mit den Händen
Griff ich
In die Leere
Der Zeit

ErINNERung -
Sagbares
Schreibbares
Ist nicht dabei


Gruß (mit tief empfundenem Dank)
Petros

schreibtalk hat gesagt…

So, lieber Petros, jetzt hast du es geschafft, dass ich weine...

Vielen vielen Dank dir!

Elsa

Anna-Lena hat gesagt…

Beklemmend und traurig sind deine Zeilen.
Selbst, wenn Zeit Wunden heilt, reißt sie sie regelmäßig wieder auf und alles ist da, als wäre es gestern erst gewesen.

Mir steht Ähnliches im August bevor, Vaters Geburtstag und sein Sterbetag, der genau auf den Geburtstag meines Mannes fällt, wenige Tage später mein Geburtstag. Seit zehn Jahren ist dieser herrliche Sommermonat getrübt.

Eine stille Umarmung und ein verbundener Gruß
Anna-Lena

Dagmar hat gesagt…

Abendrot
goldener Baum
schönes Blatt
warum fällst du
du solltest doch
tanzen im Föhn

schreibtalk hat gesagt…

Liebe Anna-Lena,

Danke dir herzlich für den Einblick in deinen getrübten Sommer. man wird es nicht los, nicht wahr?

Liebe Dagmar,

Sehr lieb von dir, deine Gedanken zu meiner Schwester in ein Gedicht zu fassen.

Liebe Grüße,
Elsa

ahora hat gesagt…

Liebe Elsa, jeder hat seine jährlich wiederkehrenden "Juli". Deswegen versteht er Deine Worte auch und fühlt mit Dir mit.

Liebe Grüße
Barbara

schreibtalk hat gesagt…

Liebe Barbara, ja jeder hat wohl sein/e Trauermonate, daher weiß ich, dass ich mit meinem gut aufgehoben bin bei euch.

Herzlich,
ELsa

chris-klick hat gesagt…

Meine Schwester Elsi,

ich wusste nichts von diesen Worten - oh, nein, nicht Worte :

Viel Unsagbares in tiefste Gefühle, Sinne, Schmerzen, Trauer, Erkennen, ErINNERn getaucht; und eins, dass unauslöschbar, unvergleichlich doch bestehen bleibt:

Liebe, zu IHR, zu Dir und mir...

Dein Bruder, der eine Schwester an die Sterne verlor, und eine Schwester auf der Erde wieder wiederfand...

schreibtalk hat gesagt…

Dein Bruder, der eine Schwester an die Sterne verlor und eine Schwester auf der Erde wieder wiederfand...

Ja, unser einander Wiederfinden, das ist Trost in allem, was wir erleben.

Es gibt nichts, was sich dazwischen stellen könnte. Die Liebe bleibt.

Deine Elsie

Dieser Blog wird durch das Deutsche Literaturarchiv Marbach archiviert.

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