ELsa Rieger

ELsa Rieger
Foto - Christian Rieger

31. Januar 2012

LIEBESWELLEN:


Klappentext:
Triest im Mai. Der Amerikaner Dennis trifft die Italienerin Undine. Zunächst fasziniert von ihrer unwirklichen Schönheit, dann berührt von dem Schmerz, den er ahnt, entwickelt sich Liebe. Sie ist eine Nixe, sagt sie. Sie zerschneidet sich die Brüste, singt in einer fremdartigen Sprache, leidet unter ‚Halluzinationen’, unverständlich für sie selbst, für ihn.
Dennis, bisher ohne Lebenssinn, ist besessen von der Aufgabe, ihr beizustehen und wühlt in ihrer Vergangenheit. Undine beginnt ihm zuliebe in Hypnosesitzungen nach und nach die fehlenden Puzzleteile hervorzuholen. Alles fügt sich zusammen. Sie spaltete ihre Persönlichkeit als Überlebensstrategie auf. Nun ist sie erwacht. Stellt sich dem Leben. Kann die traumatische Erfahrung geheilt werden? Ist die Liebe stärker als der Schmerz? Lesen Sie selbst.


Leseprobe:
„Was soll die Geheimnistuerei?“ Ich steige ins Auto, schmeiße frustriert die Tür zu.
„Verdirb uns nicht den Tag, Dennis.“
Du wirst meine Fragen schon noch beantworten, das schwöre ich dir! Gianna Nannini singt irgendwas im Radio, Undine summt mit.

„Okay, lass uns Spaß haben“, lenke ich ein, „ich mag Muggia, bin einige Male mit dem Bus hier gewesen. Die Rosterias am Hafen bieten fangfrische Meeresfrüchte an, echt lecker.“
Sie nickt und zwickt mich in den Schenkel. Ich glühe vor Lust auf sie.
Das Bad liegt an der Küstenstraße. Stufen führen zum Wasser. Undine legt Jeans und Shirt ab, ich wundere mich über den einteiligen schwarzen Badeanzug, den sie darunter anhat.
„Wieso trägst du keinen Bikini?“
„Ach, die Bändchen verrutschen dauernd.“ Sie klettert die in den Karstfelsen geschlagenen Stufen zum Wasser hinunter.
Während ich unter dem um die Hüften geknoteten Badetuch die Hosen wechsle, schwimmt sie bereits. Ich springe hinterher – es ist kalt –kraule so schnell es mir möglich ist, unmöglich sie einzuholen. Wie ein Delphin zieht Undine durchs Wasser, fast geräuschlos. Ich hingegen platsche wie ein Nilpferd. Ich gebe auf und paddle in Rückenlage zurück. Lege mich in den warmen Sand.
Ab und zu glaube ich weit draußen zwischen den Wellen Undines Kopf zu erkennen. Sie wird sich erkälten, es ist nur in der Sonne am Strand heiß. Hinten bei der Uferstraße ist ein Getränkestand, ich hole Orangiata.
Nach einer Ewigkeit klettert Undine aus dem Wasser. Sie zittert, die Zähne schlagen aufeinander.
„Du warst zu lange drin.“
„Bist du mein Vormund, oder was? Mir geht es bestens.“ Sie trocknet sich ab, ihre Lippen presst sie zusammen.
„Ach komm, ich mach mir halt Sorgen.“ Ich will keinen Krach. Dann rennt sie vielleicht weg und ich kann nachher mit dem Bus zurückzufahren. Wenn sie nur nicht wieder ausflippt, dann möchte ich keinesfalls in ihrer Nähe sein.
Nun liegt sie auf meinem Strandtuch. In Wahrheit möchte ich immer in ihrer Nähe sein.
Undine nimmt ein Steinchen auf, kickt es mit Daumen und Zeigefinger in meine Richtung. „Ich habe Hunger. Gehen wir in die Rosteria, von der du im Auto erzählt hast.“
Ich jubiliere. „Gern!“
Wir ziehen uns an.

In der kleinen Gaststätte finden wir einen freien Tisch unter wildem Wein. Die Sonne schimmert durch die Blätter, malt Schattenspiele aufs weiße Tischtuch und Undines nackte Arme. Sie bestellt Miesmuscheln.
„Du bist ein wunderbarer Mann. Ich möchte dir niemals wehtun. Ich weiß, manchmal wirkt es so.“
„Was sagst du denn da“, wehre ich ab und werde rot.
„Und deswegen erzähle ich dir mein Geheimnis.“ Sie beugt sich über den Tisch. „Ich bin eine Nixe.“
Ich trinke einen Schluck Wein. „Was?“
„Du glaubst mir nicht? Das ist schade. Ich werde daraus die Konsequenzen ziehen.“ Sie schnippt der Wirtin zu.
„Reg dich nicht auf, bitte. Erklär’s mir, damit ich es verstehe.“
„Was gibt es da zu erklären?“ Sie verdreht die Augen. „Es ist, wie es ist. Bruno und Mara Botazzi haben mich adoptiert. Aber sie tun so, als sei ich ihr leibliches Kind. Sie lieben mich abgöttisch.“
„Aha.“
Die Wirtin fragt, ob der Fisch nicht gut sei. Ich habe kaum etwas gegessen. Ich lächle entschuldigend. Undine hat alles aufgegessen. „Komisch. In deiner Nähe esse ich wie nie! Du siehst, ich liebe dich!“ Sie strahlt.

Rezension auf Amazon von Sigrid Wohlgemuth:
Der Amerikaner Dennis Myers wird von seiner Mutter kurzerhand nach Europa geschickt. Er soll endlich etwas aus seinem Leben machen. Es verschlägt ihn nach Triest. Dennis joggt gerade zum San Giusto – denkt: Was macht das Leben eigentlich aus mir? Da schneit Undine in sein Leben. Überrollt ihn förmlich mit ihrer spritzig verrückten Art.
Dennis, der selbst nicht sicher ist, was er mit seinem Leben anfangen soll, wird schlagartig ins Leben von Undine hineingezogen. Für Undine – Liebe auf den ersten Blick und Dennis ist damit überfordert. Es geht ihm alles zu schnell. Es bleibt ihm nicht einmal Zeit zum Luftholen, denn immer wieder passiert Unvorhergesehenes und reißt ihn aus der eigenen Bahn.
Hinzu kommt, dass Undine ständig „Aussetzer“ hat, sie singt ein Gälisches Lied und erinnert sich später nicht daran. Unter anderem bekommt Dennis mit, dass Undine sich selbst Schnittwunden zufügt. Damit kommt er überhaupt nicht klar. Er will das Handtuch werfen, doch es gelingt ihm nicht, Undine sich selbst zu überlassen. Dennis ist hin und hergerissen und will dem Geheimnis, dass hinter Undines Art, sich zu geben, auf die Spur kommen. Er lässt sich auf Undine ein, um ihr zu helfen, das Trauma hinter sich zu lassen. Dennis gerät oft an seine Grenzen, besonders, weil Undine alles locker nimmt. Der Leser wird von Anfang an regelrecht mitgewirbelt durch Undines Wesen. Da gibt es kein Entrinnen, man steckt sofort mitten in der Geschichte und will wissen, was haben die Freundin Carla und Undines Vater mit all dem zu tun, warum verhält sich Undine eigenartig. Oft kommt verständliches Mitleid für Dennis auf, denn der Leser spürt, er ist Undines Wesensart nicht gewachsen, gibt jedoch nicht auf. Die Figuren kommen lebendig und wahrheitsgetreu rüber. Liebeswellen – sie rollen durchs gesamte Buch und erst am Ende taucht der Leser wieder auf in die Realität.


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1 Kommentar:

ahora-giocanda hat gesagt…

Liest sich echt gut.
LG
Barbara

Dieser Blog wird durch das Deutsche Literaturarchiv Marbach archiviert.

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