
Ein Mal ist kein Mal
Klein und verwackelt. So bezeichnete sich Samira. Mitten auf ihrer Nasenspitze saß ein Muttermal. Das linke Schulterblatt stand hervor wie ein Flügel. Samiras Arme reichten fast bis zu den Knien, die Oberschenkel waren zu kurz geraten. Ihr Haar, stumpfbraun und struppig, schimmerte im Sonnenlicht grünlich.
Manchmal, wenn sie das Gefühl hatte, etwas besser dazustehen in der Welt, nannte sie sich „klein und grün“. Diese Momente fanden statt, wenn wir nach draußen fuhren und durch Wälder streiften. Da richtete sich Samiras kleiner Körper auf, ihr Atem stotterte nicht aus der Brust heraus, sondern floss in gleichmäßigem Strom. Ohne das geringste ängstliche Schwanken, das sie in der Stadt heimsuchte, schritt sie sicher aus. Auf dem Heimweg in der Straßenbahn sank sie jedoch wieder in sich zusammen.
Samira ist meine beste Freundin seit dem Kindergarten. Schon damals war sie anders, was sie zum beliebten Opfer machte. Ich beschützte sie, wann immer es möglich war und schlug mich sogar für sie.
Ihr Liebling, mich ausgenommen, war Haustier Felix, ein Gecko. Er lebte in Samiras Schlafzimmer hinter ihrem wertvollsten Schatz, einer gerahmten, signierten Zeichnung von Jean Cocteau, die eine Szene aus dem Film „La Belle et la Béte“ darstellte.
„Felix ernährt sich selbst“, grinste sie.
Das Bild hatte ihr die Mutter vor ihrem frühen Tod geschenkt, ebenso die Zauberkraft. Sie sagte damals, dass sie weiße Hexen wären, die mit dem Vodoo-Scheiß nichts am Hut hätten.
„Eine Lebensversicherung, wenn nichts mehr geht.“ Meine Freundin knusperte ihr billiges Knäckebrot, verkroch sich daheim in ihrem verschlissenen Lehnsessel und las Tag und Nacht in den Büchern, die sie auf dem Flohmarkt erstand.
Oberflächlich betrachtet, lebte sie von nichts. Im Nichts. Unter dem Existenzminimum. Ihr Halbtagsgehalt als Buchhalterin in einem kleinen Zuckerlgeschäft langte gerade für Miete und Heizung. Und das mit über vierzig. Ich war empört darüber, aber auch beeindruckt, denn Samiras ethisches Bewusstsein stand der Verbesserung ihrer Lebensumstände im Wege. Sie war nicht käuflich und das war ihre Crux. Es hätte so einfach sein können, einen gewissen Wohlstand zu erreichen oder wenigstens ihre Verpackung zu ändern, in der ein hochgradig gebildetes Wesen steckte. Ein kleiner Hexenzauber und schon ... aber sie weigerte sich strikt: „Nur weil ich über magische Kräfte verfüge, heißt das noch lange nicht, dass ich Dinge tue, die mich korrumpieren könnten, Stefanie“, sagte sie.
„Du würdest aber Menschen damit helfen und gleichzeitig Geld verdienen.“
„Tu ich nicht.“
„Kranke gesund machen?“, schlug ich vor.
„Und dann würden sie sich Reichtum wünschen, oder ewiges Leben oder sonst einen Irrsinn. Es gibt kaum anständige Menschen auf der Welt. Sieh dich um“, antwortete Samira und beendete das Gespräch.
Ganz selten hexte sie schon. Das wusste ich, weil ich einmal dabei war. Ich hatte sie zu einem Stadtspaziergang überredet, wir standen vor einer Boutique, in der ein tolles rotes Etuikleid hing, dass ich gern gehabt hätte. Da kreischte eine Frau hinter uns: „Hilfe, meine Tasche!“
Wir sahen den Dieb davonlaufen, Samira schnalzte mit den Fingern, und er fiel der Länge nach hin. Ihm wurde die Beute entrissen. Die ärmlich gekleidete Rentnerin war heilfroh, ihre Tasche wieder zu haben. Samira stritt zwar ab, etwas gedreht zu haben, aber ich wusste genau, dass sie es war.
Eines Tages verliebte ich mich rettungslos in Gerrit. Ein Bild von einem Kerl! Leider zeigte er null Interesse für mich. In seiner Stammkneipe himmelte ich ihn schamlos an, was Gerrit lediglich ein gelangweiltes ‚Über-mich-Hinwegsehen’ entlockte. Es war die schiere Qual.
Ich schüttete Samira mein Herz aus. Sie löffelte ihren Joghurt und rümpfte die Nase. Nun sah sie wirklich wie ein verwahrlostes Kätzchen aus, mit dem wackelnden Leberfleck.
„Hilf mir, Samira, bitte“, flehte ich liebeskrank.
„Kann nicht“, murrte sie.
„Mach doch einmal eine Ausnahme, du bist mir was schuldig. Wie oft habe ich dich aus dem Mob in unserer Kindheit rausgehauen, ha?“
Ihre Augen funkelten. „Ach? Du willst mich erpressen?“
Ich senkte den Blick vor Samiras Wut, bestand aber darauf, dass es ihre verdammte Pflicht war, mich zu unterstützen.
„Okay“, lenkte sie ein, „ich verstehe deinen Wunsch, geh hin und hol dir das Objekt deiner Begierde.“ Sie fuchtelte mit den langen Armen um mich herum, zischelte: „Szinggwigringkawumm“, für einen Moment flammte es in ihrem Wohnzimmer glutrot auf, es sirrte und pfiff, dann war es still.
Ich umarmte sie voller Glück.
„Na los doch“, sagte sie freundlich, „aber ich schwöre dir, es war die absolute Ausnahme, bitte mich niemals wieder um so etwas, denn ich werde es nicht tun. Kein einziges Mal mehr.“
Ich versprach es hoch und heilig, schwor es sogar beim Namen meiner Mutter, so aufgeregt vor Vorfreude, dass meine Stimme ganz tief und heiser klang. Ich rannte heim, um mich herauszuputzen.
Vor der Wohnungstür begegnete mir die Nachbarin. Sie sah mich seltsam an, fragte: „Wohnen Sie hier?“
War sie besoffen?
„Aber ja, Frau Meier!“, sagte ich befremdet und knallte die Tür hinter mir zu.
Fast wäre ich gestorben, als ich mich im Spiegel erblickte. Das war doch nicht möglich! Mit zitternden Fingern tippte ich Samiras Nummer ins Telefon. „Bist du sicher, du hast den richtigen Liebeszauber genommen? Weißt du eigentlich, wie ich aussehe!“, brüllte ich.
Samiras glockenhelles Lachen erklang. „Klar weiß ich das, Stefanie. Du wolltest doch unbedingt den tollen Kerl. Um ihn zu kriegen, musst du ab jetzt Stefan heißen. Kapiert?“
Ich brach ohnmächtig zusammen.
Als ich zu mir kam, warf ich einen genaueren Blick in den Spiegel, um festzustellen, dass ich ein passabler Mann war, und kicherte über die Untertreibung des Jahrhunderts. Niemals vorher war ich so schön gewesen! Waschbrettbauch, breite Schultern, bronzebraun glänzten Haut und Haar, veilchenblaue Augen blitzen vergnügt aus den edlen Gesichtszügen. Ungläubig starrte ich lange Zeit auf den Prachtkerl. Das Kleid sollte natürlich gegen ein anderes Outfit gewechselt werden; ich zog meinen größten Pullover und meine engsten Jeans an. Was für ein Knackpo!
Danach raste ich zu Samira. Eine unbekannte Schönheit öffnete mir. Ein Rasseweib im roten Etuikleid. Sie warf die golden schimmernden Locken in den Nacken.
„Na? Schon erholt vom ersten Schock?“
„Samira?“, stotterte ich.
„Komm rein“, sagte sie nickend.
Dann saßen wir nebeneinander auf ihrem Sofa und ich konnte mich einfach nicht satt sehen an ihr.
„Ein Mal ist kein Mal“, kicherte sie. „Nur für heute Abend.“
Gecko Felix lugte hinterm Cocteau hervor und schnalzte leise, als ich zum ersten Mal meine Hand zwischen die Schenkel einer Frau legte.
by ELsa
Foto: Lilya Corneli
30. November 2008
24. November 2008

Helene in Rom II
Helene wacht um zwei Uhr früh auf. Zu sehr muss sie sich in sich verkrochen haben, denn auf ihrem Nacken liegt ein Ochsenjoch. Sie stöhnt. Durch die Straßen fegt ein Sturm, peitscht den Regen gegen die Fensterscheibe. Die Lichtreklame am Haus gegenüber schwankt auf den Befestigungsrohren, aber sie blinkt im Sekundenrhythmus ein rotes „La dolce Vita“.
Helene lacht. „Nowhere Man, wir könnten ins Puff gehen.“
Er antwortet nicht. Der Kopf sitzt festgeschraubt auf dem verspannten Schultergürtel, unmöglich, ihn einfach so zu drehen. Mit kleinen Schritten trippelt Helene um ihre Körperachse. Die Marionette rührt sich nicht.
Im Haus ist es still bis auf das Gluckern der Heizungsrohre. Putzmunter ist Helene nach bald fünfzehn Stunden Schlaf. Nicht einmal ein Buch hat sie dabei. Der Schnitt auf ihrem Oberarm, den Robert ihr zugefügt hat, juckt. Helene kratzt den Schorf herunter. Eine Stelle gibt einen Blutstropfen ab.
„Es wird vergehen ...“, sagt sie und zieht den gewichtigen Sessel vors Fenster. Der Regen bildet eine verschwommene Wasserwand auf der Scheibe. „Huiiii“, heult Helene mit dem Wind.
Als der Tag heraufdämmert, nieselt es nur noch leise. Auch stürmt es nicht mehr. Helene zieht sich warm an. Im Empfangsraum unten stehen vergessene Regenschirme in einem Papierkorb, deren Besitzer irgendwo auf der Welt zuhause sind. Helene sucht sich einen aus, weil auf ihm „Nespresso – what else?“ geschrieben steht und geht los. Sie läuft zur Piazza del Popolo, dann die Via Babuino entlang, die parallel zum Pincio, einem der Hügel Roms verläuft. „Aber keiner der sieben!“, Helene hüpft durch die Pfützen, hält den Schirm in einer Hand, in der anderen den Reiseführer.
Sie liest, dass Babuino Pavian heißt. Und schon kommt ihr der Affe entgegen. Bestäubt mit Regenperlen. Er ist riesig. Dreht sich hochmütig im Kreis, damit Helene seinen granatroten Hintern bewundern kann. Sie pfeift anerkennend. Zum Dank knetet er ihr inbrünstig den verspannten Nacken, nicht ohne sein Geschlecht an ihrem Mantel zu reiben. Helene nimmt es hin, die Massage ist das wert.
„Babuino!“, ruft ein Mann in weißen Satinkniehosen und spitzenbesetztem Hemd. Er blickt sich suchend um, sieht den Affen, und läuft geziert, mit einem silbernen Spazierstöckchen drohend, auf Helene zu. Er entschuldigt sich auf italienisch mit einem starken englischen Dialekt. Der Pavian verzieht das Gesicht, das genauso rot wie sein Hintern ist, ergibt sich seinem Schicksal als Schoßtier des Lords und lässt sich von ihm an der Hand nehmen. Sie verschwinden in einem Haus.
Helene geht zum Ende der Pavianstraße, die in die Piazza di Spagnia mündet. Ein Kiosk hat geöffnet, sie kauft einen Espresso doppio, der so heiß ist, dass er ihre Zungenspitze verbrennt.
by ELsa
Foto: Fontana del babuino. Rom
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Montag, November 24, 2008
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21. November 2008

G l o r i a
Plötzlich
Preise gut alles gut
War bei dem Engel
Ford die tun was
Die Menge
MediaMarkt ich bin doch nicht blöd
Der himmlischen Heerscharen
Bauknecht weiß was Frauen wünschen
Die lobten Gott
Aus Liebe zum Automobil
Und sprachen
Nichts bewegt Sie wie ein Citroen
Ehre sei Gott
AEG Aus Erfahrung gut
In der Höhe
Wir machen den Weg frei
Und den Menschen
Frisches Denken für bessere Autos
Auf Erden
Der Duft der Frauen provoziert
Ein Wohlgefallen
Ja is denn schon Weihnachten?!
by Hajo Nitschke
und treffliche Kommentargedichte zum Themenkreis:
by Petros:
"Süßer die Glocken nie klingen
in den Börsen der Bäh-nker..."
by Miro:
Very you
(für Dich im Marketing-Denglisch)
Sport, Lifestyle und Fashion
eine lebendige Komposition
beflügelt von Fantasy
macht das Leben schöner und very intensive
Unverkennbar moderner
ausdrucksvoller Mix voller Lebenslust
cool, atemberaubend, sensitive
sexy in vollen Zügen, very sophisticated
modern shining und einzigartig
symbolisiert puren Luxus und Eleganz
sorgt für die freshe Ausdruckskraft
und unverwechselbare Identity
verführerisch urban, selbstbewusst
und warum nicht – very secret
authentic, lässig, dynamic betont
unendlich fascinating, charismatisch
Sport aktiv - der Freshe-Kick
Hauptsache: Du haltest Dich fit
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schreibtalk
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Freitag, November 21, 2008
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19. November 2008

exilkummer eines geliebten freundes
manchmal das verstehen und öfter
leider worte fehlen angesichts deines
abgewinkelten mundes mehr und mehr
entschlossen fürderhin zu schweigen
das lesen ist dir geblieben so hebst
du für einen moment die lippen
im lächeln oder staunen über werke
anderer ~ wo sind denn deine ~
frage ich und laufe wieder davon
by ELsa
Filmfoto : "Kill Bill" von Tarantino
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Mittwoch, November 19, 2008
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13. November 2008

Helene in Rom I
„Neunzehn Stunden mit der Bahn nach Rom?“
„Ja, Papa, einmal umsteigen in Mailand, einmal in Paris“, antwortet Helene.
„Wann kommst du eigentlich wieder einmal heim? Ich habe dich nicht zur Promotion-Lady in unserer Firma gemacht, damit du ständig auf Achse bist.“
„Jetzt noch Rom und dann Marokko, Papa.“
Er lacht. „Verrücktes Huhn.“
Helene hat ein Abteil nur für sich und Nowhere Man, der ihr gegenüber sitzt. Er eröffnet das Gespräch mit einem Hüsteln: „Rom im November ist Tristezza assoluta.“ Er glättet sein Brustfell. „Manchmal auch im Sommer. Ich erinnere mich an ein Konzert Ende Juni 1965. Ringo wollte unbedingt die Caracalla Thermen sehen. Auch wenn man es ihm nicht ansah, war er ein Archäologie-Freak und so nahm er mich unter den Arm, schlich sich aus dem Hotel. Es war ein düsterer Tag, warmer Nieselregen ohne Unterlass. Wir standen dann inmitten der lehmbraunen Ruinen, außer uns war keiner so verrückt, bei diesem Wetter, du weißt schon ... Ringos Augen schwammen in Tränen vor lauter Ergriffenheit, als ob es dort nicht schon feucht genug war. Über eine Stunde lief er in seinen maßgeschneiderten Stiefeln aus Schlangenhaut durch den Schlamm. Er warf sie später weg im Hotel. Um ein Haar wäre ich auch im Müll gelandet, durchweicht, wie ich war, wenn George sich meiner nicht erbarmt hätte. Er badete mich in der Marmorwanne, kämmte und fönte mich trocken ...“ Der Nowhere Man verstummt und blickt aus dem Fenster.
Ob Helene im Morgengrauen Roms eine Unterkunft finden wird?
„Wenn nicht, dann bleiben wir am Roma Termini, trinken Kaffee und warten, bis die Stadt erwacht“, sagt der Nowhere Man, ohne dass Helene ihre Bedenken ausgesprochen hat.
„Siehst du, nichts von Tristezza“, jubelt Helene in Nowhere Mans Nackenpelz hinein, als sie aus dem Bahnhofsgebäude auf die Straße tritt. Es ist mild, obwohl erst sieben Uhr am Morgen, und ein blassblauer Himmel verspricht einen schönen Tag. Ein Taxifahrer nennt ihr die Pensione Pincio nahe der Villa Borghese und fährt sie hin.
Das Zimmer hat einen Balkon, der zu einem wilden Garten hinausgeht. Im Gegensatz zu London, wo nichts mehr blühen will, ist hier alles noch voll von Blumen.
„Das wird mir helfen“, sagt Helene und wirft die Puppe aufs Bett. „Danke“, setzt sie hinzu, denn ohne Nowhere Man wäre es schwer gewesen, Robert und London aufzugeben.
Sie duscht und sucht den Frühstücksraum auf, in dem es nach Espresso und Cornetto duftet, den frisch gebackenen Hörnchen aus leicht süßlichem Teig. Eine Menge Rentner, die vielleicht eine Reisegesellschaft sind, klirren mit den Tassen und unterhalten sich lautstark.
Nachher rollt Helene sich im Bett zusammen, weint ein bisschen und schläft ein.
by ELsa
Filmplakat: Stazione Termini
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Donnerstag, November 13, 2008
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09. November 2008

Tante Klara ...
... lebt heute unterm Zuckerhut. Das Gesicht verschattet von einem Borsalino aus Stroh, um den sie eine Schleife geschlungen hat, sitzt sie, siebenundachtzigjährig, die meiste Zeit auf dem Balkon. Manchmal steht die Nachbarin an der Brüstung, dann unterhalten die Damen sich ein paar Minuten auf portugiesisch.
Die deutsche Sprache hat es Klara früh verschlagen. Das war am 9. November 38 in Wien. Mit siebzehn. Sie lernte damals die Modisterei, entwarf zauberhafte Hüte für die Damen der Herren, die an besagtem Tag durch die Straßen marschierten und aus simplem Fensterglas Kristall machten, wie es später hieß.
Vor dem Haus Köllnerhofgasse 6 im 1. Wiener Gemeindebezirk, in dem Klara wohnte, waren sie und andere zusammen getrieben worden. Sie zitterte in ihrem Nachthemd und einer der Herren kniff sie in die Wange. Schönes Kind, sagte er, nenne mir einfach einen anderen Juden, den wir statt deiner mitnehmen sollen.
In Buchenwald erhielt sie Lagerkleidung. Später heiratete sie einen jener amerikanischen Soldaten, die sie befreit hatten. Er störte sich nicht daran, dass ihr Haar nach den Jahren im Lager grau geworden war.
Ausgewandert nach Rio, der Geburtsstadt ihres Retters, wollte Klara wieder Hüte machen, aber ihre Hände hörten nicht auf zu zittern.
by ELsa
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Sonntag, November 09, 2008
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01. November 2008

im november
hab i immer den blues
wann die nebel mi treibn
durch mei stadt die feuchtigkeit
sich eineziagt untern kragen
(so hoch kann ma eam gar net aufstelln)
im eckbeisel is licht und warm
rauchig und riacht nach kaffee
wann i einkehr wird der blues
net weniger werden weil i dann
saufn muass bis zum umfalln
natürlich haut mi der koberer ausse
ich steh im regn und denk ma zum
hundersten moi: wos hob i vabrochn
de fiaß ziagts ma weg aufm eis mit meine
dünnen ledersoin und i gspür wiast ma föhlst
baby geh kumm wieda oder ruaf mi
wenigstens amoi an weu i allerweil
den blues hab im november
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by ELsa
Foto: (c) R. Banas www.pixelio.de
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Samstag, November 01, 2008
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