ELsa Rieger

ELsa Rieger
Foto - Christian Rieger

22. Juni 2010



Seiltänzerin

Achtsam Fuß vor Fuß gesetzt
auf der Schmalspur Leben bleiben
ganz diskret sich selbst verletzt
jeden Lärm darum vermeiden

Tanzen auf dem dünnen Steg
sorgsam nicht nach unten sehen
immer vorwärts auf dem Weg
niemand kann es je verstehen

Diese Sehnsucht nach dem Springen
nur ein Schritt: für immer tot
Tag für Tag sich neu bezwingen
Licht zu suchen in der Not

Manchmal finden in der Plage
einen Hauch von Hoffnungsstrahl
helles Lachen statt der Klage
Glück für Stunden ohne Qual

Weiter taumeln auf dem Seile
eine bunte Maske an
ewig dauert diese Weile
bis die Seele nicht mehr kann


(c) ELsa Rieger

Kommentare:

Helmut Maier hat gesagt…

"Tag für Tag sich neu bezwingen"
"bis die Seele nicht mehr kann"

Sehr existenziell!

Liebe Grüße
Helmut

Dagmar hat gesagt…

Liebe Elsa,

der Seiltanz als Synonym des Lebens. Eine phantastische Idee.
Und wie fein du es beschrieben hast.
Das auf und ab des Lebens. Der Umgang mit Schwierigem und Hoffnung.

Liebe Grüße
Dagmar

schreibtalk hat gesagt…

Liebe Dagmar, lieber Helmut,

freut mich, dass es euch gefällt!

Sehr liebe Grüße
ELsa

schlüsselworte hat gesagt…

Geht unter die Haut, meine Liebe!
Gut verwortet!

Morgengrüße,
Mo

schreibtalk hat gesagt…

Danke, meine liebe Mo!

Herzlich
ELsa

Anna-Lena hat gesagt…

Solche Momente kann das Leben für uns alle bereit halten. Mögen wir unseren Blick immer nach vorn richten, um den Seiltanz nicht zu verlieren. Irgendwie geht es immer weiter.

Bemerkenswert, deine Zeilen, liebe Elsa, wie du trotz der Gefahr am Abgrund den Ausweg im Blick hast.

karl hat gesagt…

das ganze Leben ist ein Hochseilakt
Liebe Grüße,
Karl

schreibtalk hat gesagt…

Liebe Anna-Lena, lieber Karl,

danke schön für eure Kommentare.

Und dem gespannten Seil, das die Gegenwart versinnbildlichen soll, liegt der Abgrund der Vergangenheit, über den wir hinwegbalancieren.

Liebe Grüße
ELsa

Rachel hat gesagt…

Liebe Elsa,

stimmt manchmal ist das Leben ein Leben auf dem Seil, sehr schmal, kleinschrittig...

Und die bunte Maske könnte die eines Clowns sein, lachend, Tränen dahinter verbergend...

Dein Text rührt mich an, lässt Vergleiche zu, zwingt zur Nachdenklichkeit...

DANKE das du ihn mit uns teilst..

herzlichst, Rachel

schreibtalk hat gesagt…

Liebe Rachel,

du bist mir dazwischengerutscht ;-)

Vielen Dank auch dir für deine Gedanken.

Wir verbergen unser Ich nur zu gern unter diesen Masken, statt stolz zu unseren (auch Fehlern oder negativen) Erfahrungen zu stehen. Wir haben Angst, entdeckt zu werden, hmm ...

Liebe Grüße
ELsa

ahora hat gesagt…

Jeder ist schon auf diesem Drahtseil gelaufen - und es schien ihm fast endlos.
Voller Stolz schaut man zurück, dass man dieses Tal überbrückt hat.

Liebe Grüße
Barbara

syntaxia hat gesagt…

Nach außen wirkt die Maske, doch reichen nicht die wenigen Stunden ohne Qual. Jeden Tag sich neu bezwingen bis die Seele nicht mehr kann. Der Sprung wird kommen, wenn die Maske fällt und es niemand erwartet. Manchmal auch nicht, dann hielt die Weile bis zum Ende..
Ein echter Treffer, liebe ELsa.

..grüßt dich Monika herzlich

ex - il@miro hat gesagt…

*nur ein Schritt: für immer tot

Rachel hat gesagt…

Ja, liebe Elsa,

wir haben diese Angst, warum nur?,
sind wir so von dieser Zeit geprägt??? Ich hasse das, da bin ich ehrlich...ich will mich immer so zeigen wie ich bin, doch manche mögen mich einfach nicht so, ich habe schon zu hören bekommen, ich sei zu ehrlich für diese Welt...irre ist solch eine Aussage, stimmts?
Dabei bekam ich noch mehr Angst!! Und weißt du warum? Weil ich dann in jedem Menschen eine Maske sah...

ohje, das war nicht das Wort zum Mittwoch, es war nur der Auslöser zu deinem wundervollen Gedicht!!

lieb, Rachel

schreibtalk hat gesagt…

Liebe Barbara,
Voller Stolz schaut man zurück, dass man dieses Tal überbrückt hat.
Ja, ich bin auch echt stolz auf mich. Und wie du sagst, jeder läuft drauf.

Liebe Monika, ich wünsche natürlich jedem/jeder, dass die Kraft da ist, ohne Maske leben zu können und sein ICH zeigen zu dürfen, diese Angst zu besiegen und es schön zu haben.

Liebe Rachel, dein Wort zum Mittwoch ;-) gefällt mir. Die ewige Frage nach dem Warum. Ich denke nicht, dass es mit der aktuellen Zeit zu tun (schon auch, aber nicht nur). Denn wir haben das archaische Grundgefühl immer schon in uns. Angst. Sie ist nicht nur ein Übel, sie rettet uns auch oft. früher vorm Säbelzahntiger, heute vor den Angriffen andere Menschen. Der Urmensch hatte auch Angst, sich entspannt (also ohne Maske) zu zeigen, denn dann wäre er ja leichtes Opfer der Stärkeren. Seine Maske war die Angriffshaltung, die Keule, die wilde Grimasse.
du schreibst:
ich will mich immer so zeigen wie ich bin, doch manche mögen mich einfach nicht so, ...
Klar mögen das viele nicht, denn da kriegen sie Angst, dass deine Ehrlichkeit sie entlarvt. Masken schmelzen dahin, wenn man den anderen mit dem Herzen sieht, das aktiviert die Urangst vor der Entspannung (siehe Beispiel oben).

Lieber Miro: Ja.

Ich danke euch allen herzliche für die intensive Auseinandersetzung, freu mich sehr!

Liebe Grüße
ELsa

Dieser Blog wird durch das Deutsche Literaturarchiv Marbach archiviert.

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