30. April 2009



Ich kenne alle deine Züge

Meerblau umrahmt
von dichtem Wimpernkranz
Schwung im Lippenbogen

Arme umfangen mich
das Spiel der Muskeln drängt
deine Lenden näher

Begegnete ich dir am Tage
fände dich im Irgendwo
würdest du von mir wissen
nie - ließe ich dich zieh’n

Doch bist nur in den Nächten
sehnsuchtsvolles Traumgebild
vergehst im trüben Dämmern


by ELsa
Bild: Blue Flower von Georgia O'Keeffe

23. April 2009

21. April 2009



Ach, Tausendschönchen
siehst mich tief errötet an
aus Wiesengrund früh
morgendlich beschattet

Bald steigt Sonnengestrahl
über die Lindenkrone dann
Tausendschönchen bietest
du dich weiß aufgefaltet dar

Zum Abendnebel schließt du
deine Blässe wieder
um mit dem ersten Dämmerton
erneut in Schale dich zu werfen

mein Tausendschönchen
einen ganzen Sommer lang


by ELsa


Ursa führt weiter:

ach, wäre ich das Tausendschönchen,
was könnt´ich jubeln und gar singen
erröten, entfalten im Tageslicht
mich lachend zu Neuem aufschwingen
ach, wäre ich das Tausendschönchen
nur einen Sommer lang


Foto: Elsa

18. April 2009



All die Zeit

Es liegt ein Schmerz in meinen Jahren
unter dem Lachen oft nur ganz leis

Medusen tanzen auf und ab
in ihrem transparenten Schein
ein Schwingen und Versonnenheit

bis sich die Schwären wieder zeigen
vom Schnürboden herab sinken Piratenschiffe
gegen die kein Weinen hilft

geht es doch stets voran ich nehm’s
entgegen wie es ist wenn auch langsam
das Hintermir zum Weltmeer wird

Hören

by ELsa

Ans Licht gebracht: Kommentargedicht von Ursa

will ich Vergangenheit
umspülen lassen verdünnt
durch Jahre Menge Wasser
und durch mich?
Nein will nicht verwässern
was ich erlebte
ich liebe lebe lebe liebe
vergessen will ich gar nichts
denn ich l e b t e es

Petros kommentiert:

Gestern, vorgestern.
Morgen und übermorgen.
Heute. Das Ende.


Vielen Dank meinen Blogfreunden für die immer wieder
entstehenden Kommentar-Gedichte!

10. April 2009



Glockenschweigen

bettet vorösterlich seinen
Leib – geschunden
verhöhnt durch Jahrtausende

zum Götzen geadelt
in die Schuhe geschoben
Scheiterhaufen – Gralsuche – Kriegsgeschrei

missionarischer Indianertod
bete und arbeite
Sitzend zur Rechten

in Windeln gewickelt
ein Kind – Leichentuch auf
Golgatha

Auf Gräbern strecken
Osterglocken sich empor
goldblühend

by ELsa

Aphorismus von Petros:

Metamorphose

Geboren.
ALS MENSCH.
Gestorben.

Bleibt
die Zeit
Dazwischen


Kommentargedicht zum Thema von Helmut:

Golgatha,
du hast Täter und Opfer
gesehen,
Täter und Opfer,
zu Opfern und Tätern
geworden.
Die einen schänden
die andern;
und die andern
haben nichts gelernt
als zu schänden.


Bild: Joujou pixelio

9. April 2009

Adieu, liebe Freundin ....

Die österreichische Autorin Elfriede Gerstl ist heute nach langer schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren gestorben. Das teilte ihr Freund und Kollege Herbert J. Wimmer der APA mit.

Pointierte Schnappschüsse ihrer Zeit
"Alles, was man sagen kann, kann man auch beiläufig sagen": Dieses Gerstl-Zitat könnte als Motto über dem gesamtem Oeuvre der Wienerin stehen. Sprachgespür, subtiler Witz und das gezielte Auffangen von Zeitgeist, Trends und sprachlichen Codes kennzeichneten ihr Schreiben, das sich dem Wiener Idiom ebenso gern hingab wie dem Schriftdeutschen.

Elfriede Jelinek lobte die "unheimlich präzise Fragmenthaftigkeit" ihrer Gedichte, es gehe "nicht kürzer, nur länger, also schlechter". Gerade diese Knappheit, in die die Dichterin ihren Alltag verpackte, machte ihr Werk zu einer Sammlung pointierte Schnappschüsse ihrer Zeit: Ihr "Rohstoff" war oft Wien, ihre Heimat.

Gerstl wurde am 16. Juni 1932 in Wien geboren und überlebte als jüdisches Kind die Zeit des Nationalsozialismus in Wien in diversen Verstecken. Sie studierte Medizin und Psychologie und veröffentlichte seit 1955 vereinzelte Schriften.

Zugang zu allen literarischen Szenen. Gerstl verfasste Gedichte, Essays und kurze Prosastücke und war im Rahmen der Wiener Gruppe aktiv. Besonders dem Thema der Geschlechterrollen hatte sich die engagierte Feministin verschrieben. Literarisch hatte Gerstl nicht nur zur Wiener Gruppe, sondern zu allen relevanten literarischen Szenen in den 50er, 60er und 70er Jahren Zugang.

Ihre erste Buchpublikation war "Gesellschaftsspiele mit mir" (1962), in den Jahren darauf entstand in Berlin das bahnbrechende Werk "Spielräume". Zu ihren bekanntesten Veröffentlichungen zählt der Band "Kleiderflug. Schreiben, Sammeln, Lebensräume", der 2007 in erweiterter Form neu publiziert wurde.

siehe auch:
Hommage

Dieser Blog wird durch das Deutsche Literaturarchiv Marbach archiviert.

Lesbares - Sichtbares

Follower

Über mich

Blog-Archiv