ELsa Rieger

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Der Platz zum Austausch zwischen AutorInnen:
ProLyKu-Schreibforum


29. August 2009



unvergesslich

mit dir ging
die belebteste
zeit von mir
auch wenn ich niemals
wusste an deiner seite

kein verlass war
nicht von einer stunde
zur nächsten: abenteuer pur

die leichtigkeit verlor
sich später im alltag
denn den gab’s außerdem


by ELsa
Bild: Cityspotlight bei pixelio.de

Kommentargedicht von Ursa:

die Leichtigkeit war
wie ein Kuß
ein Kuß aus Salz
und Feuer bezahlt
habe ich bei dir
mein Freund mit
Wogen und mit
neuer beherrschter
Kraft in
meinem Körper


Ans Licht geholt:

fließend

dein entfesseltes spiel
durchfloss meinen bauch
mir zu ohren - betörte

hemmungslos
erforschten deine hände
ravels bolero
und was ich gewährte

schürten hoffnung und lust

nun nicht mehr genährte

(c)Gerda Jäger

26. August 2009



so richte ich mich ein – auch ohne dich
die kahlen tage zu beleben

zwinge dem mund ein: guten tag
ab – unwillig
schlägt mein herz

überall feindesland
... wittern

/ der einkauf spießruten /

lauf – das brot in der neuen wohnung
mit dem tränennachgeschmack


by ELsa


so drehen wir uns routinemäßig in kreisläufen
– belügen
von erstem frühlingsregen

bis zum herbstsströmen – sonnenlos
wie lange noch: ja hier bin ich

biete dir meine dunkle seele an
so einfach angerichtet wie bauernsalat
– der noch immer schmeckt


© by @miro

Aus dem Gemeinschaftsprojekt: Stadtlieben von Elsa Rieger/Miroslav Dusanic
Foto: AngelaL bei pixelio

20. August 2009

Neue Vertonungen auf:

Worttalk

Ochsenhunger (mit Rainer Hilgers)

nacht:verloren

Es ist nicht so


by ELsa

15. August 2009



Ochsenhunger

Gestern war kein guter Tag.
Ich spüre es in meiner wunden Kehle.
An der nagenden Ratte in mir.

Nur ein Brocken Brot.
Langsam das Erdige herausgelutscht.
Die Ähren im Sommerwind. Gold.

Das Tier im Bauch lacht nur.
Nagt und nagt und nagt.
Lockt. Nur noch heute. Nachgeben.


by ELsa
Bild: Lilya Corneli

10. August 2009



nacht:verloren

spür dein bein
an meiner seite kälte
verbreiten

wage mich nicht zu rühren
dich zu berühren
in diesem lautlos

als hätte sogar deine haut
keine worte mehr
in unserem bett

wie es kam
weiß nicht ein hund
auf der welt und vielleicht
ist das immer so zwischen
liebenden von einst



by ELsa
Bild: Max Ernst

06. August 2009




Helene trifft Erkan

„Hallo Erkan“, sagt sie, als er abhebt.
„Wer ist dort?“
„Ich bin’s.“
„Kenn keine Ich“, gereizt Erkans Stimme.
„Helene!“
Er lacht. „Echt jetzt? Die alte Helene?“
Sie kichert.
„Wie geht’s, was willst“, sagt er. Es ist zu hören, dass er sich eine Zigarette anzündet, das tiefe Inhalieren.

Über zehn Jahre ist es her, dass sie ineinander verliebt waren. Jetzt ist er mit einer Landsmännin verheiratet, die ihm die Eltern ausgesucht hatten, als er zwölf war. Stolz zeigt er ihr ein Foto im Kaffee Alt Wien, wo sie verabredet sind.
Fatme trägt ein Kopftuch. In ihren Armen ein Baby.
„Stammhalter“, grinst Erkan stolz. Von seiner schwarzen Lockenpracht, die ihm damals bis über die Schultern fiel, ist nichts mehr da. Mit eng an den Kopf gegeltem Kurzhaar sieht er wie ein Mafiaboss aus. Den zerfetzen Jeans ist ein dunkler Anzug gewichen.
„Bin jetzt Geschäftsführer bei Papa“, sagt er und rückt den Krawattenknopf zurecht.
Die Familie hat ein Teppichgeschäft, erinnert Helene sich.
„Bist du glücklich?“, fragt sie.
Sein heiseres Lachen ist nicht verloren gegangen. „Klar, Mann, mir geht’s gut. Was willst du?“
„Wie war ich? Damals.“
Erkan schaut unter den Tisch. „Du hast gern keine Schuhe getragen.“
Helene zieht ihre Füße in den rosaroten Pumps unter den Stuhl.
„Und bist mit dreckigen Sohlen in meinem Bett gelegen. Ekelhaft war das.“
„Ist das alles, an was du dich erinnerst?“ Gespannt stützt sie ihr Kinn in die Hand und starrt Erkan an.
„Das war die Hauptsache, ja.“
Der Kellner kommt an den Tisch, ihm schaut die Fadesse aus dem Gesicht. „Bitte schön?“
„Für mich einen Kleinen Braunen“, sagt Helene, ohne den Blick von ihrem Exfreund zu lassen. Erkan bestellt ein Achtel Rot. „Du trinkst Alkohol, aber deine Frau muss Kopftuch tragen?“
Er zuckt die Achseln. „Was geht dich das an? Starr nicht so auf mich.“
Sie senkt die Augen, nippt an der kleinen Kaffeetasse. „Weißt du noch? Ich wollte ein Kind von dir ...“
„Keine Ahnung. Echt?“ Er schüttet den Wein hinunter, leckt sich die Lippen. Sein Ausdruck ist so leer.
Helene legt einen zehn Euroschein auf den Tisch. „Bist eingeladen“, sagt sie, steht auf und geht davon.


by ELsa

03. August 2009



Selma oh Selma

Ich habe dich bewundert,
so dreißig Jahre ist es her.
Warst meine Alpha-Wölfin,
ich folgte Schritt auf Tritt
in deine Wildheit dir.

Hoch den Kopf zu tragen
lehrtest du mich und ungestüm
das Lachen rauszulassen,
sich nicht zu scheren,
was die anderen dran finden.

Wenn du in Nächte mich entführtest,
voller Trunkenheit am Leben,
als brächen die letzten Stunden an,
dann flogen deine roten Locken,
das Zwinkern dieser Kajalaugen
warf mich um, bis unsre Wege
sich irgendwo verloren.

Als ich dich wiedersah,
fast räudig war dein Haar,
der Blick verblasst, ganz
ohne Flammen, anstatt
des Lachens tiefe Runen,
die mir erzählten vom

unstillbaren Brennen,
an dem du kranktest,
an dem du schließlich starbst
– du Heldin meiner Jugend –
ich pflanze dir aufs Grab:
Zypressenwolfsmilchbüschel.

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by ELsa

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