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1. August 2013




Im Dämmerlicht


des Morgens
wenn die Amsel tönt
noch Nebel über Gräsern liegt
da reichen Worte mir die Hand

Sie wiegen sich im zarten Tanz der Verse
bis sie im Reim gebunden
ihren Strophen Glanz verleihen

Doch nachts im Wachsgeknister
unterm Kerzenlicht finden sich andre Worte ein
sie brennen, wüten, trauern auf den Blättern
über Vergangenes und sammeln sich zum Schrei



(c) ELsa Rieger

Bild: Pamela Wilson bei www.beinart.org

24. Oktober 2012



Ganz gut


Nach langen Wochen praller Hitze
nicht enden wollend
auch des Nachts – wird’s Herbst.

Die Tage wirken müder.
Gehüllt in Nebeldecken, die sie
nur mittags zögernd lüften.

Ich sitze auf der Bank
zwischen türkisen Vasen
und vor mir fließt die Wien
seit guten hundert Jahren
durch Jugendstilgewölbe.

In Paaren und mit Hunden flanier’n
am Sonnenufer Menschen an mir vorbei.

Ich bin allein – nach Zeiten
des Liebens und der Abschiede.
Lab mich am Rundherum
und es ist gut so wie es ist.























 Text & Bild (c) ELsa Rieger


21. August 2012



Miro hat sich von meinem "so rot" inspirieren lassen, toll!


die nacht leuchtet rot
so rot brennst du in meinem fleisch

es rauscht in der brust
                       tief in mir drinnen
es summt von stimmen
                       in der erinnerung

im schlafzimmer
                       untertauchen und
                       steigen
starren aus den fenstern                
verschwinden und
                       wiederkehren
                       unberechenbar
unruhig wimmeln
ineinander blicken
                       sind so nah

verschmelzen rote bilder rings
                       um mich
so rot brennst du in meinem fleisch


Miroslav B. Dušanić

10. Juni 2012

Vielen Dank, mein Freund Miro,
für diese Antwort auf mein Gedicht
Ich und Du (wie recht du hast ...):



Begegnung

das stumme gespräch
(kein zweifel:
ein mächtiges instrument)
tat seine wirkung –

(aus heutiger sicht eine besonders
glückliche fügung des schicksals)
du und ich vor kulissen
nur eine sekunde lang
zwei herzen/zwei flammen
in die enge getrieben –

das stumme gespräch
(mit der zeit im rennen)
lässt sich nicht mehr abschütteln
es begräbt uns langsam

Miroslav B. Dušanić









8. Mai 2012


 
/bist echinoidea mir/

statt mich im glanz zu spiegeln
in deiner augen meere
ertrank mein herz und ich
soff ab /sowas passiert/

zernadelt nun sind beide ichs
und nicht zu ziehn die stacheln
stecken gebrochen tief
unter der haut





(c) ELsa Rieger
Foto: (c) Blumenfeld bei pixelio.de

30. November 2011


Unter Platanen

wir schritten durch eine Schattenallee
(du und ich) aneinander geschmiegt
so nah warst du in deinem Duft
ich musste plötzlich weinen
irgendwo in der Provence

dein Atem im Nacken hauchte
Sehnsucht mir hin und auch
der Liebe Glut / betäubt lehnten
wir am weißfleckigen Stamm
hielten uns fest im Mistral

er zerrte und wehte die Kleider
fort über Lavendelfelder schrill
zeterte die Gänseschar

im wilden Gebraus
standen wir bloß
du und ich Haut an Haut


(c) ELsa Rieger
Bild: Paul Cézanne

12. November 2011


Trunken

setzt sie sich in Szene
und ihre Augen leuchten zerglüht
wie der linke Nylonstrumpf
auf Zigarettenasche am Boden
liegt sie nachtspät zwischen
unbekannten Männerbeinen
so lacht ihr rotverschmierter Mund
und die Sehnsucht bleibt



(c)Elsa Rieger

7. März 2011


Clown

Possenreißer bin ich doch,
verberge tiefes Schmerzensloch
hinter Masken aller Art.
Klebe einen falschen Bart,
zeige mich stets gut getarnt,
bin ich doch bestens vorgewarnt.

Schütze so mein wahres Sein,
nach außen trage ich nur Schein.
Einiges hab ich erlitten,
selten nur vertrau ich Dritten.
Steck die rote Nase an,
damit mich keiner sehen kann.

Der Clown da ist mein Spiegelbild
und als dieser treib ichs wild.

Alt. Die Maske abgenommen,
das Dahinter ist verschwommen.
Nie gelernt, mich anzusehen,
beginnen Fragen zu entstehen.
Wer bin ich und was will ich hier?
Die Panzer platzen auf in mir,
trotz des Schmerzes bin ich Sieger.
Neugeboren, Herzenskrieger!


(c) ELsa Rieger (am Rosenmontag)

und ein Kommentargedicht von Ursa:

Masken
mir nicht unbekannt
hängen im Dutzend
an der Wand

sie grinsten
sie lachten
sie spielten Versteck
mal nahm ich sie alle
mal warf ich sie weg

bin nun was ich bin
wurde so wie ich wollte
verzichte auf Beifall
den man mir zollte

aufmerksame Blicke
werfe ich ins Leben
die rote Nase habe
ich zurückgegeben ...

(c) Ursa


Bild: Michael Cheval bei www.beinart.org

2. März 2011


hungrig

bist einem windspiel gleich
das lachen perlmuttklang
ich säume liebentlang
das schimmern deiner haut
feiner als seide aus china

will dich nur zart berühren doch
fährt mir schon der wind hinein
und meine hand greift leere

von der zeit und von dem hunger
nach dir entkernt schaue ich zu
dem tanz auf vielen partys
die deine spiegel sind und weiß
es wird der krug zerschellen

noch siehst im wald vor bäumen du
nicht wie die seidenhaut ermattet
und wie dein lachen brüchig klirrt

aber die berge, die see
sagst du nun denn
ich geh ja ich geh


Hören

Anmerkung: Die Gedichtzeile: ich säume liebentlang
entstammt einem Text von Else Lasker-Schüler:

*klick*

(c) ELsa Rieger
Bild: Urheber unbekannt

24. Januar 2011



sag mir niemals was lieben heißt

wie blass du bist und ich
bin erschreckt

schweigen türmt sich
übertönt jegliches wort

so wälzen wir einsam
uns durch die getrennte nacht

die unsägliche



(c) ELsa Rieger

8. Januar 2011

Du

ich schaute dich nur einmal
Jahre ist es her und alles Sehnen half nicht

so hangeln wir uns an Worten
entlang des Grats vom Älterwerden

vielleicht ergibt sich ein Treffen
in irgendeinem anderen Leben

(c) ELsa Rieger



Du

in zarten Gedichten ruhend
(nach so langer Zeit)
versinkst in mir (Wort um Wort)
Zusammengeflochtenes von damals
entfesselt mich
und knotet mich wieder an
in einem Raum (der sich bald auflöst)

© by Miroslav B. Dušanić

6. Dezember 2010

Inspirationsgedicht von Hajo Nitschke:

wir hängten
es ab das kruzifix zu verlaufen
die form
dessen der da nur noch
so herumhing
zu gemartert zu leidend nicht
mehr zeitgemäß und wo
bleibt die rücksicht auf
empfindungen anderer jetzt ersetzt
durch eine uhr designgeprägt
niemandes anstoß und doch
zerläuft uns jetzt
die zeit unter den sekunden
förmlich
und die gemarterten leidenden
sind nun wir gekreuzigt
auf das symbol einer
neuen zeit






zeit, zeit, was hast du aus uns gemacht
früher haben wir dich ausgelacht
– andré heller

funkelsteine liegen ab und zu
am weg und je älter ich werd
umso kostbarer sind sie mir

fällt trotziger boykott ein
sich winden hilft dennoch nicht
gegen das magerwerden jetzt
lach ich nimmermehr



(c) ELsa Rieger
Bild: Salvador Dali

15. Juni 2010



Des einen Glück, des andern ...

Mein Lieb grämt sich
an einem andern Orte
um das, was Nacht für Nacht
mich träumen lässt
die stillvertraute Einigkeit
unser Geheimnis glüht
ungebrochen für und für


(c) ELsa Rieger
Bild: Federico Zandomeneghi

Ein Antwortgedicht von Monika Kafka

Nacht für Nacht
web ich mich fester ein

ins rote Wörternetz
das deinen Namen trägt

Du bist mir Verheißung
der Insel zwischen Thymianduft
und Rosmarin

bette ich uns
in einen fernen Sommer

und löse das Lippengeheimnis
im Traum



Bild: Frederick Lord Leighton

6. Mai 2010



allein

entkernt von dir
und all den kleinigkeiten
die mir von deinem hiersein zeugten
sind die räume nun

ein handheben wischt
vorüber das schütteln des haars
wie honig das lächeln
und flüsterworte

eingebrannt bleibt das
bei mir in stillen mauern
und ich trinke ein glas
wein auf dich



(c) ELsa Rieger
Foto: Lilya Corneli

30. März 2010



ich liebe dich, wie man die dunklen Dinge liebt,
heimlich, zwischen Seele und Schatten
– Pablo Neruda


und das macht Angst
du malst mir schillernd Anmut
in die Mitte und bin ich doch
nur graues Leinen – grobgewebt

beleuchtest mich mit deinem Lächeln
– dem Rosenmund –
unbeirrbar in der Leidenschaft

(c) ELsa Rieger
Foto: Günther Moro


Antwortgedicht von Monika Kafka:

Mich ängstigt nicht das graue Leinen
und nicht die grobgewebte Dunkelheit
ich spüre Angst wenn du nicht da bist
und meine Seele in die Schatten greift

Ich mal mir aus die unheimliche Stelle
an der sich Ahnung mit Gewissheit paart
und schillernd fall ich in dein Zweifeln
verschenk den Rosenmund an deine Leidenschaft

9. März 2010




Hungrig bin ich, will deinen Mund
Pablo Neruda


atme in mich deine worte
die lippen erstaunt gerundet
auch gekräuselt je nach gefühl
das du in den ausdruck legst

in den eindruck auf meinem mund
ein siegel markiert für alle zeiten:
den hunger nach dir


(c) ELsa Rieger

1. März 2010




Ich setzte den Fuß in die Luft,
und sie trug.
– Hilde Domin


Weder sie noch die Welt bricht ein
erstaunt nehm ichs zur Kenntnis

Zögernd geduckt schreit ich voran
später hoch und stolz geschwellt

Das alles geht im Hauch von Liebe
sie trägt – bezaubernd
wie sie trägt


(c) ELsa Rieger

24. Januar 2010



doch niemand weiß ...

und ich sag es auch nicht
welch borstigkeit
oft wühlt in meinem fleische

steigt sie empor dem phönix
gleich erschlag ich und zertrete
sie zu asche – spucke drauf

und ach! was kann ich
lächeln mit dem kirschrotmund
derweil sich dieser widerborst
zusammenfegt

mit leisem feuerknistern



ich bedanke mich bei Petros für das Wort "Borstigkeit"
der folgend kommentiert:


Denn dem Borstenschwein
Werden sie vom Speck geschält,
Sonst schmeckt er haarig.



(c) Elsa Rieger

10. November 2009



niemals versprach ich einen rosengarten

auf unserem balkon
ich wollte
ich hätte
es getan

wo wären wir heute

trinke rotwein blicke
auf die nacktheit draußen
warte immer noch

die nacht verschlingt die stadt

by ELsa


was es hätte sein können
mit jedem schritt


in meinem heutigen leben kein blumentopf
auf dem fenstersims
der balkon – nur deponie
für ausgeleerte träume

aufgespießte erdbeeren schreien
seit vorgestern
auf meinem teller – die kälte in der luft

ich sehe zum fenster hinaus auf die straße
und alles leer – die nacht verschlingt
nicht nur die stadt – sie beißt mich sehr

© by @miro

Aus dem Gemeinschaftsprojekt "Stadtlieben" Elsa Rieger und Miroslav Dusanic

Dieser Blog wird durch das Deutsche Literaturarchiv Marbach archiviert.

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