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16. Dezember 2013


SPURENSUCHE

Bin zwischen gestern und morgen gestrandet
weiß nicht so recht, wo ich bin
blicke zurück – sehe vieles versandet
wenig davon macht noch Sinn

Ich kippe vom Gestern ins Morgen nun
was war, ist längst geschehn
blicke nach vorn – keine Ahnung, was tun
nur Nebel, sonst ist nichts zu sehn

Gestern und Morgen, ich stecke dazwischen
entfliehen will ich dem Patt
Spurensuche – den Schleier wegwischen
Wegweiser orten anstatt

das alte Gestern dem Morgen vorsetzen
endlos dumpf wiederkäuen
Spuren erfinden – trotzen Gesetzen
die unken: Du wirst es bereuen

Sand von gestern erstickt fast das Morgen
Angst vor ähnlichem Grauen
überwinden – abschütteln die Sorgen
erlernen ein neues Schauen

Die Spuren des Gestern sind verweht
Die Spuren des Morgens kommen
Erfahrung hat Wissen und Kraft gesät
Ich geh auf die Suche, besonnen


(c) ELsa Rieger 
Foto: Christin Ott (pixelio)

2. Juni 2013



weißt du


ich habe keine zeit fürs leben mehr
voll liebe und romantischer gefühle
aus diesem brunnen jahrelang schöpfte
ich eimerweise leidenschaft wie qual
der sehnsucht und des wartens auf erfüllung

kam diese, um mich dann zu überschwemmen
stahl sie mir leib und seele bald
verloren in der allzu großen nähe
glich ich konturlos an das du mich an

ich habe alles hinter mir gelassen
besinne mich und finde ganz zu mir
oft amüsiert von alten wilden bildern
mit abstand war es doch recht schön
so schön, dass ich darüber poesiere

weißt du...



(c) ELsa Rieger
Foto: Lilya Corneli

3. Mai 2013




Konturen fangen an sich zu verändern


Prall zuerst die grad erblühten Knospen
der Heckenrose und die Dornen weich
biegsam sind die jungen Glieder
bewegt von Fürwitz und von Tanzeslust

Die Sommerwinde hitzig dann voll Leidenschaft
und Tränenfluten graben die ersten Furchen ein
braune Narben sprenkeln die einst satte, feuchte Haut

Noch später kriecht die Kälte
unaufhaltsam bis in die Fingerspitzen
keine Spur vom Leuchten mehr
gewichen ist’s der Fahle und Lust versiegt

Die Züge scharf wie Scherenschnitte
läuten den rauen Winter ein, der bleibt
ich weiß, nur Rosen blüh’n im Frühling wieder auf


(c) ELsa Rieger 

Danke für das schöne Antwortgedicht an Ursa!

kontur-los ?
 

Ach was, das ist vorbei !!!
Gewachsen sind Konturen
Im Neu(en)Land
Auf altem Grund
Das werden unsere Spuren
Sein,die wir einst
Hinterlassen
Poetisierend leben
Und dann geh´n
(In Eigenart)
man wird uns "hassen"
und auch lieben
denn die
Poeten bringen Glück
und auch das Ich zum Ich
zurück!

7. Februar 2013






ICH BEDANKE MICH HERZLICH BEI ALLEN MEINEN FREUNDEN
FÜR DIE WUNDERBAREN GEBURTSTAGSWÜNSCHE, DIE MICH ERREICHT HABEN!





7. Februar

Heut bin ich älter
doch nicht alt
mein Herz ist kälter
noch nicht kalt

Jahre verwehten Sternschnuppen gleich
da war ein Kommen – ein Gehen
Wechselbäder armselig und reich
blindlings gestürzt – besonnenes Sehen

Heut bin ich älter
das Herz heiß und wild
auch wenn ich einst alt bin
werde ich niemals mild


Eure ELsa

3. Januar 2013


herzzeit

zunächst ein fremdeln
flattern in blauen augen

trittst ein in lebenshautnah

dazwischen sondieren
behutsam die wärme

so leicht das zusammensein

am ende schokolade
im kindermundwinkel

und was für ein lachen


(c) ELsa

1. November 2012




die tollste musik ist
wenn man jung ist und schön
mitten in der besten zeit ~ wie man so sagt

wieder gehört steigt ein bild auf
von party und tanzen, ohja,
das schmusen und angreifen
bei: non, je ne regrette rien
und das kehlige, ja, das kehlige lachen

deines, das es nicht mehr gibt ~ gar nicht mehr
die platte kratzt wie die erinnerung


(c) ELsa Rieger aus dem oben genannten eBook.

Dazu eine Rezension von Ruprecht Frieling:

Texte zur rinnenden Zeit

Mit den elegischen Texten, die sie in diesem kurzen Lyrik-Prosa-Mix versammelt, spannt Elsa Rieger einen weiten Bogen von der Kindheit ins Altwerden.

Der Titel des Bandes "Sieben wilde Tage hab ich dir geschenkt" spielt auf die ungezügelte Jugend der Dichterin an, in der Jim Morrison und die "Doors" den Mond von Alabama besangen und den Weg zum nächsten Whiskey und dem nächsten Mädchen suchten.

Jahrzehnte später sind die wilden Geschichten Vergangenheit. Liebesangelegenheiten, die einst tief erschütterten, sind zum Hauch verblasst. Die Zeit wird knapp. Jedes Aufbrezeln gegen die zunehmende Geschlechtslosigkeit ist sinnlos geworden, wenngleich der Geist im tiefsten Inneren siebzehn, vielleicht achtzehn, höchstens zwanzig Lenze jung denkt. Aus einem jungen Ding ist eine ältere Dame geworden, deren Räume mit Erinnerungen und Vergangenem so verstopft sind, dass ihre Türen klemmen.

Elsa Riegers Texte sind voll Schwermut. Wehmütig beschreibt sie die zerrinnende Zeit, die immer wieder in Bildern aufsteigt und innere Saiten zum Klingen bringen.   



Das eBook bei Amazon  

9. Oktober 2012


königin sein

bin unduldsam geworden
lang hat es gedauert ’s maul
aufzumachen: nimmer machen
lass ich das mit mir

hui hast du geglotzt
die hand zu erheben nicht mehr
imstand: ich stand mit stolzem
kinn und breitem lachen


(c) ELsa Rieger
Bild: (c) Lilya Corneli 

syntaxia hat geantwortet:

Ich lass mich nicht wieder einlullen,
von deinem Schmachtblick,
der am Ende wieder dazu führt,

dass ich dir die Bierkiste hochschleppe.
Ich bleibe vor dir stehen,
bis du fort bist.
Erst dann gönne ich mir meine Tränen...


*

Vielen Dank dafür!

 

12. Mai 2012


Herzbrüche

Nicht nur einmal brechen Herzen,
immer wieder kommt das vor.
Ganz geflickt sind diese Dinger,
bis man irgendwann mal stirbt.

Erste Narben schon ganz jung,
weinst, doch wirst du nicht gehört.
Kindergartenfehden kratzen,
hinterlassen großen Schmerz.

In der Jugend geht es weiter,
Liebeswahn und Prüfungsangst,
Eltern, die dich nicht begreifen,
reißen neue Schrammen auf.

Bist du dann groß, ist es verheilt,
spürst selten einen Stich,
wenn dein Hirn Erinnerung abgibt,
schluchzt das Kind in dir.

Wähnst du, alles sei bewältigt,
folgt der nächste Bruch sogleich,
hart ist meist das Liebeszeug,
wünschst zu leben ohne Herz.

Irgendwann wirst du doch älter,
weiser im Gefühlewust,
hütest Herz und Hirn aufs Beste,
achtsam blickst du in die Welt.

Es trifft dann wie ein Attentat,
eine neue Wunde heftig,
missachtet hat der Liebste sie,
das Herz brennt lichterloh verletzt.

Auch das vergeht, wird leiser bald,
schau hin zu deinem Herz:
Ein müder Krieger, arg getroffen,
steht wacker für dich ein.

Du bist alt und ruhig geworden,
richtest dich ein zu geh’n.
Noch einmal schlägt dein Narbenherz,
bleibt dann endlich steh’n.


(c) ELsa Rieger


6. März 2012


ich fürchte den schmerz nicht mehr

ich male alles. was war.
muschelkalk schmeckt/riecht
meersalzig. zerreiben. kneten.
grauschlammig quetschen.
bis zum ellenbogen im dreck.

auf leinwand gepappt/gespachtelt.
die wahrheit. kein gesicht mehr.

müde geworden des antichambrierens.
verweht vom wind vorbei. ich.
male alles. was war.

(c) ELsa Rieger
Foto: Günther Moro

21. November 2011


ich

geboren zur jahrhunderthälfte
getauft auf nordischen namen
halb und halb
summt es in meinen adern

ein großvater arisch
ein großvater jüdisch
heil und shalom

geteiltes zusammengeschmolzen in mir
ich überlebte es mit chuzpe
mazel tov!


(c) Elsa Rieger

6. Oktober 2011

Spiel mir das Lied
von unsrem Gestern


davon wie uns
die Liebe überflutete durch
bloße Blicke

die Berührung eines Fingers
mir die Haut entfachte und
Lust dir deine Wangen
rötete wenn Bein an Bein
wir saßen im Café

Spiel mir das Lied
von unsrem Gestern

(c) ELsa Rieger



lautlos

ineinander
verstrickt
blicken wir
zurück
und
brechen
uns
immerfort

© by @miro


Ja, wenn uns die Röte zum Glühen brachte,
eine kleinste Berührung von Haut zu Haut uns wärmte.
Wenn Liebe im Herzen begann zu brennen,
Spielten uns fein Klänge wonniger Liebeslieder.

(C)Hans-Peter Zürcher

Foto: Café Hawelka

25. September 2011


die nebel fallen ein

schütterer von jahr zu jahr
wird meine welt und kleiner

herbst beginnt mich zu umweben
verlorne elfenschals im wiesentau

ein letztes glitzern vor der kälte
die wieder abschiednehmen heißt


(c) ELsa Rieger (Text und Bild)

Dieser Blog wird durch das Deutsche Literaturarchiv Marbach archiviert.

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