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13. Januar 2014




/– als eine regenperle
über dein augenlid gleitet
/


erkenne ich
wie tief die herzabschürfung
durch die gesamtheit
deiner worte geht – du sie dir
alle tage wund und heillos schreibst

gut ist das
für jene zu sehen
die hoffnungen verloren

(peitscht weiter
hält wach)

ich sehe
nicht die regenperle nässte dein augenlid
es ist der sturm von innen
überschwappend – mörderisch

Hören

ELsa Rieger


inspiriert von:


sommerruf

als eine regenperle
über dein augenlid gleitet
gabst du endlich auf
mit deinem erdbeermund
an wolkenfetzen
den sommer zu gebären

© by Sara Dušanić
 miroslavdusaniclyrik.blogspot

Bild: Emil Nolde

12. November 2011


Trunken

setzt sie sich in Szene
und ihre Augen leuchten zerglüht
wie der linke Nylonstrumpf
auf Zigarettenasche am Boden
liegt sie nachtspät zwischen
unbekannten Männerbeinen
so lacht ihr rotverschmierter Mund
und die Sehnsucht bleibt



(c)Elsa Rieger

2. November 2011


nebelhexe

vor nächten
hast du mir den kopf
verdreht
blieb ich zurück

meide des tages
pracht
voll deine schenkel
als sie mich umschlangen
aus graumilch
arme am ufersaum
mich zu halten
geliebte vergeblich

harre ich
schweigend
liegt wald wie wasser
die kehle geschnürt
suche ich das kühle
grab

(c) ELsa Rieger

Und ein wunderbares Kommentargedicht von Monika Kafka:

nebel, geliebte
tanzen über dem see
färbt sich monochrom
was uns der sommer hinterließ

passt nicht auf den steg
gebretterter gedanken und
sapphos wasserstimme
schweigt

Bild: Tom Chambers: Foggy River

23. April 2010



grau und grau und grau

sind manchmal zeiten
wohin der blick geht
schmerzen ~ leiden ~ qual

es zieht hinab
macht hilflos
schulterzuckend

doch plötzlich wird es licht
ertönt ein kinderlachen
junge augen glänzen in die welt

erblüht ist mir erneut
der hoffnungsschimmer


(c) ELsa Rieger
Foto: Thom Delißen

15. April 2010



Im April saß Elsa im Wald
statt frühlingshaft war es dort kalt
Sie blickte hinaus
das war schon ein Graus
und soff trüben Sinnes den Malt

:-)

13. März 2010



lebendigkeit

eros haucht uns an
wie er den mohn erblühen lässt
die gesamte welt bestimmt

obwohl dem paradies enthoben
schlüpfte einzig er mit süßer kraft
durchs tor eh sich’s verschloss
dem urpaar ewiglich

und immer noch beflügelt
er die kargheit allerorts



(c) ELsa Rieger

10. Mai 2009




Meiner Mutter

Wie lieb ich dich hab
ist kaum zu sagen
durch alle Schrecken
möcht ich dich tragen
und dann trägst du mich ...

Mit dir kann ich lachen
bis Tränen uns kommen
im Rauschen des Waldes
stehen besonnen
entzückt betrachten Tausendschönchen ...

So lieb hab ich dich
ganz voll ist mein Herz
Jahrzehnte verbunden
in Freude und Schmerz
über alle Entfernungen hin ...


by ELsa

21. Mai 2008



Nacht-Pfauen-Auge

Mein Auge sieht – ich glaub es kaum –
zur finstern Nacht ist’s gar ein Traum
im Wiesengrün zwei Pfauen steh’n
und stolzgeschwellt die Räder dreh’n

Beim Nachtpfau’naug dacht’ ich bislang
ganz deutlich ohne jede Bang’
es handle sich um Schmetterlings
im Nektarflug durch Wald und rings

Nun seh ich diese Räderschläger
die erblickt gewiss nicht jeder
klink mich ein in diesen Tanz
leider fehlt der Pfauenschwanz

Doch wende ich mich hin und her
die beiden mögen das nicht sehr
sie schreien ihren grässlich Schrei
ich renn davon es ist vorbei


by ELsa

3. Februar 2008



Blitzlichter

schaukeln im rosenumrankten
Garten träger Sommerzeit
die nach Limonade schmeckt
ewig ist in Kindertagen

reiten zu Oasen und Datteln
pflücken in blauen Tüchern mit
Tuaregs tanzen im Zelt zwischen
Wüstenblumen

Lust die wilde Lust wird breit
im Schein der Nacht endlos das Lied
vom Verschmelzen bis das Licht
die Dämmerung teilt


by ELsa
Gemälde: Auguste Renoir

30. Oktober 2007



wachsen

damals war ich jung die welt
gehörte mir – du hast mir weh
getan bis zum zerspringen: löschte
brennen mit dummheiten

gestern war ich klein
unsicher
verzweifelt

jetzt bin ich groß und stark
weiß, wer ich bin – nehme
mich in die arme der welt
wie ich sie mir mache

jeden augenblick heut ist
mein herz ganz

in zukunft spreche ich wahrheit
soll sein was sein soll
nehme an was kommt

morgen immer wieder morgen
halte ich auch aus
bin neugierig


by ELsa

18. Oktober 2007



ich warte nicht –
ich lebe und das
mit allem
was ich bin

und jede zelle meines fleisches
funkelt in freude und schmerz


by ELsa

5. Juli 2007

S O M M E R P A U S E!

Ich wünsche allen meinen Besuchern eine schöne Zeit.

ELsa Rieger


ferien

gedrungen das haus aus granit
so steht's als bastion am
wiesengrund – katzen
streifen ums bein – abendsonne

die pendeluhr schlägt den
takt zum lied der bäume –
mitternacht – nebel zieht
in brust und herz

vergängliche finsternis
während böden ächzen –
atmen zieht durch den raum –
bilder wiederbelebt –

kaffeegeruch weckt auf –
fünf uhr und nackte
zehen im morgentau –
ein lachen: ich hab dich lieb


by ELsa

23. Januar 2007

das kind baut ein
wolkenkuckucksheim mit
vorhängen aus federnflaum
ich bringe teerosenblätter vorbei
die tür fällt zu
im nebelwehen suche ich das
alte wolkenschloss vergeblich –

doch hebe ich den kopf zum himmel
kann ich es fliegen sehen –
manchmal

by ELsa



Dieser Blog wird durch das Deutsche Literaturarchiv Marbach archiviert.

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