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6. Februar 2014

Ich spaziere durch Städte, bevorzugt durch meine Geburtsstadt Wien, und sehe zwischen den flanierenden Menschen eine Gestalt, die sonst keiner erblickt.
Ich entdecke in diesem rothaarigen Mädchen eine Geschichte. Ihre Geschichte von Liebe und Qual, in der sie sich einem Mann ausliefert, sich seiner Obsession hingibt, die letzten Endes ihr Tod sein wird. Nein, ich denke, sie wird es überleben und fortan als wahre Königin durch das Leben wandeln. Warum? Weil sie zu reizend ist, um sie sterben zu lassen.
Oder ich sitze im Kaffeehaus nahe der Hofburg, und sehe nicht, dass der alte, magere Mann seine Adlernase in einen Cognacschwenker senkt, um den Duft des Weinbrands aufzusaugen, der ihm Sekunden von Erinnerungen an eine bessere Zeit schenkt, lange, ehe er von den Nazis nach Auschwitz verschleppt wurde, lange, bevor er halbnackt und abgemagert in eine Stadt heimkehrte, in der die Einwohner nur ein paar Schritte vom Kaffeehaus entfernt auf dem Heldenplatz „Heil!“ gebrüllt haben.

Ich schreibe über das, was ich nicht sehe, aber dennoch über alles, was es geben könnte. Vielleicht. 


eBook und Taschenbuch unter anderem hier zu erwerben.

Und ich freu mich gerade über eine schöne Rezension:

"Wunderbarer Sammelband:
Schon das Vorwort beeindruckt. Hier „sitzt“ jedes Wort! Dann die erste Geschichte: „Wenn ich einmal sterbe“. Unter dem Einfluss dieser Erzählung, die einfach hinreißend geschrieben ist, habe ich sofort beschlossen, endlich meine Dinge zu ordnen.
Elsa Riegers Kurzgeschichten sind so vielschichtig wie das Leben. Oft spielen sie in ihrer Heimatstadt Wien, aber auch auf fremden Kontinenten. Die Wiener Geschichten verströmen einerseits einen gewissen Kaffeehaus-Charme, anderseits offenbaren sie auch das Grantlerische, leicht Melancholisch-Morbide, das man den Wienern nachsagt. Obwohl die Autorin auch ernste Themen wie Krankheit, Tod, Nazi-Vergangenheit oder Vorurteile nicht ausspart, gibt es immer zumindest die Andeutung einer Hoffnung. Die Texte sind nie moralisierend, sorgen sogar oft für Heiterkeit. Man merkt ihnen an, dass sie von einer gebildeten, lebenserfahrenen Frau geschrieben wurden, die mit Sprache umzugehen versteht und lebensnahe Dialoge und glaubhafte Figuren zu erschaffen weiß.
Besonders eindringlich fand ich „5 Minuten und 4 Sekunden“, ein Monolog, der einen geplanten Suizid in ergreifende Worte fasst. Am meisten zum Lachen gebracht hat mich „Das schwarze Schaf“ mit dem vermeintlichen Piraten. Die als Märchen angelegte Erzählung „Im Datenwald des Web 2.0“ nimmt höchst unterhaltsam die drohenden Auswüchse des World Wide Web vorweg.
Elsa Rieger ist eine echte Entdeckung für mich. Ihre Geschichten tragen das Qindie-Gütesiegel völlig zu Recht. Ein wunderbarer Sammelband, der sich wohltuend vom Mainstream abhebt."


Vielen Dank sagt ELsa
 

23. Oktober 2013

!Neuerscheinung!

Die Frau, die sich nicht umdrehte. Erzählungen.


Kurzbeschreibung
Ich spaziere durch Städte, bevorzugt durch meine Geburtsstadt Wien, und sehe zwischen den flanierenden Menschen eine Gestalt, die sonst keiner erblickt.
Ich entdecke in diesem rothaarigen Mädchen eine Geschichte. Ihre Geschichte von Liebe und Qual, in der sie sich einem Mann ausliefert, sich seiner Obsession hingibt, die letzten Endes ihr Tod sein wird. Nein, ich denke, sie wird es überleben und fortan als wahre Königin durch das Leben wandeln. Warum? Weil sie zu reizend ist, um sie sterben zu lassen.
Oder ich sitze im Kaffeehaus nahe der Hofburg, und sehe nicht, dass der alte, magere Mann seine Adlernase in einen Cognacschwenker senkt, um den Duft des Weinbrands aufzusaugen, der ihm Sekunden von Erinnerungen an eine bessere Zeit schenkt, lange, ehe er von den Nazis nach Auschwitz verschleppt wurde, lange, bevor er halbnackt und abgemagert in eine Stadt heimkehrte, in der die Einwohner nur ein paar Schritte vom Kaffeehaus entfernt auf dem Heldenplatz „Heil!“ gebrüllt haben.

Ich schreibe über das, was ich nicht sehe, aber dennoch über alles, was es geben könnte. Vielleicht.



Leseprobe:

Amour fou

Carlo nannte sie nur Rotkehlchen. Getauft war sie auf den Namen Rita nach der Großmutter, doch ihre Eltern riefen sie zärtlich bei diesem Kosenamen. Ihr Geliebter hatte ihn bei dem einzigen Besuch in ihrem Haus aufgeschnappt.
‚Rotkehlchen’ passte wie die Faust aufs Auge zu Rita, sie war mit einem großflächigen Feuermal auf ihrem Dekolletee zur Welt gekommen. Diese Hautanomalie sah aus wie ein Herz, das auf dem Kopf steht, genauso, wie es diese Vogelart auf der Brust trug. Flammend rot. Der Zufall oder die Ironie wollten es, dass das Mädchen auch noch rote Haare hatte.
In der Schule zog Rotkehlchen nur hochgeschlossene Kleidung an, vom Schwimmunterricht hatte sie sich befreien lassen; keiner sollte ihren Makel sehen. Der roten Haare wegen verspottet zu werden, reichte ihr vollkommen. Sie trug sie ganz kurz, was zu ihren zarten Gesichtszügen ausgezeichnet passte.
Nun war sie zwanzig und hatte sich unsterblich in Carlo verliebt, der doppelt so alt wie sie war. Kennengelernt hatte sie ihn in einer Eisdiele. Sie las gerade Die Brust von Philip Roth und amüsierte sich königlich über die Absurdität, während sie nebenher Pistazieneis löffelte, als ihr jemand übers Haar strich.
Nachdem sie nur wenige Menschen an sich heranließ, ihre Zeit vorwiegend damit verbrachte, zu lesen und in den Wäldern rund um die Stadt laufen zu gehen, hob sie erstaunt den Blick vom Buch.
Vor ihr stand ein eindrucksvoller Mann mit Sonnenbrille. Das Hemd fast bis zum Bauchnabel aufgeknöpft. Die breite, gebräunte Brust zierte ein Yin-Yang Symbol an einer dickgliedrigen Kette, beides aus massivem Gold.(...)

Hier zu bekommen:

eBook und Taschenbuch

 

5. April 2013


  
Leseprobe:


sperrzonen

hast du erschlossen riegel
von denen ich nicht wusste
entsichert mit verve

blätterst nun in meinem buch
wie keiner zuvor wagte/durfte

erstaunen greift mich tief
waren wunder doch längst
ausgerottet in meinem leben

aber nein – sagst du
und dein lachen haut mich um

schmelzt die letzten bedenken
bis ich nackt vor dir steh
du gehst mir unter die haut



eBook auf xinxii
Viel Lesespaß wünscht Euch
ELsa

5. November 2012


Rock'n'Roll. Ein Mann findet seinen Weg.


Leseprobe:
Eine Begegnung der dritten Art

Am nächsten Morgen, als er durch den Hydepark joggte, hörte er plötzlich hinter sich rufen: „Good morning, my friend!“
Paul lief weiter.
Der Unbekannte hängte sich an seine Fersen. Keuchend stieß er hervor: „Hey man! Stop!“
Jetzt liefen sie auf gleicher Höhe. Aus dem Augenwinkel bemerkte Paul, dass dünne Zöpfe um den Kopf des anderen auf und ab hüpften.
Mit letzter Kraft flüsterte der Erschöpfte heiser: „Ich sah dich in Eddies Bar gestern im Abend. Tust du erinnern?“
Paul lief langsamer, blieb schließlich stehen. Der Zöpfchenmann warf sich schwer atmend auf den feuchten Rasen.
„O boy! Furchtbar! Churchill sagte: No sports. Er hatte recht.“
Paul dehnte sich und rieb die Beinmuskulatur mit Franzbranntwein ein, den er stets in einem kleinen Fläschchen mit sich trug.
„Stinkt wie Katzenpisse“, sagte Bob M. Henderson. Er grinste. „Katzenpisse ist ein schönes deutsches Wort, ist es nicht?“
Paul ergriff Bobs ausgestreckte Hand und zog ihn hoch.
„Danke, mein Freund. Wir sollten trinken ein Bier zusammen.“ Bob verzog das Gesicht und wischte die Hand im Gras ab. „Terrible.“
Paul schaute griesgrämig drein.
Bob zuckte die Schultern, „Never mind.“
Gemeinsam schlenderten sie durch den Hydepark.
„Was bedeutet das M in deinem Namen?“, fragte Paul.
„Marley. Bob Marley! Rastaman, Sänger, Musiker, du verstehst? Reggae.“
„Ja, ja, ich kenne Bob Marley. Er ist tot, das arme Schwein.“
„Sie haben ihn gebracht um!“, empörte sich Bob.
„Der hat sich ganz allein umgebracht, mein Lieber! Mit Haschisch.“
„What!?“
„Na, Drogen!“
Energisch schüttelte Bob den Kopf, so dass die Zöpfe wie ein Karussell um ihn herumkreiselten.
„Nein, Mann! Von das Dope man stirbt nicht! Er ist gemordet!“
„Wir wollen nicht streiten“, lenkte Paul ein, „Bob Marley war ein wunderbarer Musiker“, sagte er mit Nachdruck.
Bob nickte besänftigt. Sie hatten den Park verlassen und Bob ging zielstrebig auf eine Harley Davidson zu.
„Sie heißt Lizzy, gefällt?“
Der Rahmen war mit roten und weißen Glühlämpchen verziert, auf dem ganzen Motorrad glitzerte applizierter Chrom- und Messingschmuck.
Bob klopfte auf die golden glänzende Rückenlehne.
„Gold! 14 Karat. Es ist gut, ist es nicht?“
„Großartig“, meinte Paul ungläubig.
Bob schwang sich auf den Sitz und startete.
„Komm!“
Paul umklammerte Bobs Hüften. Röhrend setzte sich das Monstrum in Bewegung. Er saß zum ersten Mal auf einer solchen Maschine und war angenehm überrascht, wie komfortabel das Fahrgefühl war. Paul fühlte sich frei und glücklich, er brüllte in Bobs Ohr: „Wonderful!“
„Yeah!“, schrie dieser zurück.



Die zauberhafte Hexe

Vor einem stillgelegten Fabriksgebäude nahe Notting Hill hielt Bob an.
„My castle.“
„Ah“, sagte Paul. Es freute ihn, dass er zum Joggen nur ein paar Münzen eingesteckt hatte. Die vier Typen, die rauchend vor dem Haustor standen, erweckten nicht gerade sein Vertrauen. Bob nickte ihnen zu. Paul folgte ihm eilig ins Haus. Die ehemalige Werkshalle der Fabrik war in Wohneinheiten unterteilt und ausgebaut worden. Einige Türen standen offen, Paul sah im Vorbeigehen auf Staffeleien und Scheinwerfer.
Am Ende des Flurs stiegen sie in einen Lastenaufzug.
„Hier leben nur Maler und Photographers. Du hast einigen von ihnen eben gesehen in die Straße, wie sagt man: to gasp for breath?“
„Zum Luftschnappen“, übersetzte Paul.
Noch ein Wort, das Bob zum Lachen brachte. Er wiederholte es einige Male, bis er es intus hatte. Ganz oben angekommen, öffnete er eine blaulackierte Tür. Beim Eintreten schnappte Paul nach Luft. Ein großer heller Raum eröffnete sich ihm, an den Wänden lehnten unzählige Leinwände.
Weißlackierte Dielen trennten den Schlafbereich vom Atelier mit den schwarz-weißen Fliesen, auf denen ein drei Meter langer Arbeitstisch stand. Ein Durcheinander aus Farbtuben, Paletten, Dosen und Tiegeln, daneben zwei unfertige Gemälde, jedes auf einer Staffelei.
„Maler?“, fragte Paul überrascht, er hatte in Bob einen Fotografen vermutet.
Inmitten des Ateliers befand sich eine Landschaft aus grünen Cordsamtpolstern, umgeben von Beistelltischchen mit Büchern, Zeitschriften und überquellenden Aschenbechern.
Das ist ja ein ganz armer Schlucker, dachte Paul, als er den original japanischen Futon in der Ecke sah. Er wusste, wie teuer sie waren. Jetzt glaubte er auch an die vergoldete Rückenlehne. Gegenüber, auf einem schwarz gefliesten Podest, war eine Küche eingepasst. An der langen Wand zwischen Küche und Futon stand ein großer Würfel aus Milchglas.
„Das Badraum“, erklärte Bob, der mit zwei Flaschen Bier vom Küchenpodest sprang. Sie versanken in der Sitzlandschaft. Paul erschlug der Luxus. Wenn der Typ nicht kaffeebraun wäre, hätte er auch noch ein Solarium.
Bob prostete ihm zu.
„Du musst meine Bilder sehen, später.“
„Unbedingt.“ Paul platzte fast vor Neugier auf die Bilder, die ein derart exklusives Leben ermöglichten. Er musste für seine Prämien monatelang hart arbeiten. Er sah Bob beim Stopfen einer Meerschaumpfeife zu und trank einen großen Schluck Bier. Die Tür wurde aufgerissen. Unfähig bei dem Anblick des Mädchens zu denken, starrte Paul sie an.
„Hi, Sam. Samantha – Paul, Paul – Samantha“, stellte Bob vor.
Die feenhafte Schönheit hauchte Paul mit „Hi“ an.
„Samantha ...“, stotterte Paul.
Sie ließ sich auf das Kissen neben ihm nieder.
„Was ist mit dir, mein Freund?“, fragte Bob besorgt.
„She looks like an angel ...“
Samanthas Lachen perlte durch das Zimmer, „Thank’s!“
„My Goodness! Sie ist eine Hexe!“ Bob verdrehte die Augen.
„Und wenn sie der Teufel persönlich wäre ... eine Stunde mit ihr tausche ich gegen meine Seele.“
Sein Blick glitt über das schimmernde Haar. Es reichte ihr bis zu den schmalen Hüften. Ihre schrägstehenden grünen Augen blitzten. Paul hörte nicht auf das, was sie zu Bob sagte, so sehr war er in ihren Anblick versunken.
Als sie sich verabschiedete, erhob er sich.
„Is it possible to see you tonight?”, fragte er sie.
„Ich nehme dich Morgen mit auf diese Party. Sam wird dort sein“, sagte Bob.
„Ich habe noch nie eine so schöne Frau gesehen.“
Paul taumelte zum Sofa zurück.
„Du musst lassen die Finger davon. Sie verdreht dir nicht nur die Kopf, sie reißt ihn dir ab.“ (...)

Elsa Rieger, Rock'n'Roll

eBook oder Taschenbuch bei Amazon

1. November 2012




die tollste musik ist
wenn man jung ist und schön
mitten in der besten zeit ~ wie man so sagt

wieder gehört steigt ein bild auf
von party und tanzen, ohja,
das schmusen und angreifen
bei: non, je ne regrette rien
und das kehlige, ja, das kehlige lachen

deines, das es nicht mehr gibt ~ gar nicht mehr
die platte kratzt wie die erinnerung


(c) ELsa Rieger aus dem oben genannten eBook.

Dazu eine Rezension von Ruprecht Frieling:

Texte zur rinnenden Zeit

Mit den elegischen Texten, die sie in diesem kurzen Lyrik-Prosa-Mix versammelt, spannt Elsa Rieger einen weiten Bogen von der Kindheit ins Altwerden.

Der Titel des Bandes "Sieben wilde Tage hab ich dir geschenkt" spielt auf die ungezügelte Jugend der Dichterin an, in der Jim Morrison und die "Doors" den Mond von Alabama besangen und den Weg zum nächsten Whiskey und dem nächsten Mädchen suchten.

Jahrzehnte später sind die wilden Geschichten Vergangenheit. Liebesangelegenheiten, die einst tief erschütterten, sind zum Hauch verblasst. Die Zeit wird knapp. Jedes Aufbrezeln gegen die zunehmende Geschlechtslosigkeit ist sinnlos geworden, wenngleich der Geist im tiefsten Inneren siebzehn, vielleicht achtzehn, höchstens zwanzig Lenze jung denkt. Aus einem jungen Ding ist eine ältere Dame geworden, deren Räume mit Erinnerungen und Vergangenem so verstopft sind, dass ihre Türen klemmen.

Elsa Riegers Texte sind voll Schwermut. Wehmütig beschreibt sie die zerrinnende Zeit, die immer wieder in Bildern aufsteigt und innere Saiten zum Klingen bringen.   



Das eBook bei Amazon  

4. September 2012

Schöne Rezension zu "Ein Mann wie Papa"




Elsa Rieger ~ ein Mann wie Papa [Rezension]




Bildquelle: AAVAA-Verlag

Frauen sagt man nach, sie suchen sich als Partner gerne einen Mann, der dem eigenen Vater in gewisser Weise ähnelt, sei es optisch oder im Verhalten.
Das mag vorteilhaft sein, wenn der Papa ein feiner Kerl war/ist. Aber wenn der eigene Vater ein Schwerenöter und Trunkenbold war, sollte dieses Profil bei der Partnerwahl schon kritischer angesehen werden.
Elsa Rieger skizziert auf genau dieser Grundlage die schwierige Beziehung zwischen Marie und Paul. Marie sucht unbewusst immer nach einer Papa-Kopie. Männer sind für sie nur interessant, wenn sie verwegen oder unnahbar sind und sie miserabel behandeln. Je ablehnender, desto mehr kämpft sie darum, beachtet zu werden und umso uninteressanter wird sie für die Männer dadurch. Paul behandelt sie zwar nicht schlecht, er hält sie aber emotional fern von sich. Aber auch als er sich ihr öffnet, ist die Beziehung nicht optimal – Marie ist immer auf der Suche nach Anerkennung und macht ihrer Umwelt das Leben schwer, wenn sie sie nicht bekommt.
Zu allem Überfluss ist Maries Sohn Max alles andere als begeistert von dem neuen Partner der Mutter und lehnt ihn offen ab. Ein nahezu unüberbrückbarer Zwiespalt.
Elsa Rieger beschreibt sehr feinfühlig „ihre“ Charaktere. Ja, es wirkt wie ein Stück von ihr, welches sie dem Leser schenken möchte, wenn sie mit viel Herzblut den Protagonisten Konturen, Emotionen und Fehler verleiht. Marie wirkt authentisch in ihrer Suche nach Geborgenheit und Anerkennung, da geht es keinem von uns anders – nur die Ausmaße sind nicht immer so extrem wie bei Marie. Aber auch Paul wirkt ehrlich, wie er seine Schwierigkeiten hat, Marie irgendetwas Recht machen zu können. Hält er sie auf Abstand, klammert sie, geht er einen Schritt auf sie zu, weiß sie damit gar nicht umzugehen.
Gleichzeitig regt Elsa Riegers Roman dazu an, die eigenen Verhaltensmuster zu überdenken. Bei Marie empfand ich einige Reaktionen in Paarsituationen schwer erträglich, aber wenn ich ehrlich zu mir selber bin, habe ich mich darin auch häufig wieder erkannt. So unbewusst den imaginären Spiegel vorgehalten zu bekommen, war einerseits unangenehm, andererseits auch sehr aufschlussreich.
Fazit: ein für mich lehrreicher, ohne belehrend zu wirkender Roman über die Tücken der Sehnsucht nach Liebe. Elsa Rieger verpackt sehr charmant die Macken und Fehler ihrer Protagonisten und lässt sie dadurch umso echter und symphatischer wirken. Hat mir sehr gut gefallen und war sicher nicht das letzte Buch, welches ich von der Autorin gelesen habe.

(c) Vanessa NieohneBuch

Buchinformation
194 Seiten | erschienen 2011 im AAVAA-Verlag als 
eBook: ASIN B00557T748 | 6,99€
Taschenbuch: ISBN: 9783862541935 11,95€
Leseprobe | Autorenblog
 
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29. Mai 2012




















Rezensionen zu meinem Roman bei Amazon:

5.0 von 5 Sternen Ein Weg hinter die Wirklichkeit, 29. Mai 2012
Von Judith Faller

Rezension bezieht sich auf: LiebesWellen (Kindle Edition)
Der junge Dennis bewegt sich zwischen zum Teil erzwungener Selbstfindung über die Lustangst bis hin zur Verantwortung für einen anderen Menschen. Ein teilweise verwirrender jedoch bildlich und emotional gut nachvollziehbarer Weg, welchen Elsa Rieger sehr lebendig zu beschreiben mag. In zielsicherer, jedoch nicht ausufernder Weise entblättern sich verschiedene Begegnungen, in denen man von Aussen zusieht, wie unterschiedlich Wahrnehmung und Interpretation ein und der selben Situation oder Person nebeneinander stehen können. Doch welche ist die Wahrheit, so es die überhaupt gibt?
Nachdem Dennis Undine, einer blonden 'Nixe', begegnet, welche scheinbar mit allen Tricks des Bezirzens und sich Zurückziehens gewappnet ist, verändert sich seine Lebenssicht allzu bald. Er wankt bezaubert und verwirrt, wütend und oft ohnmächtig hilflos, auch teilweise überfordert und an seine Grenzen geführt in der Berg- und Talfahrt dieser unfassbaren Beziehung. Zwischen Nähe und Distanz - ein Abgrund...
Nur, was sich anfänglich so harmlos und wie ein klassisches Liebesgeplänkel anfühlt, entpuppt sich als ein äusserst ernsthaftes Thema, welches Elsa Rieger mit einer direkten und sorgfältigen Sprache aufbaut, ohne sogleich in eine unglaubhafte oder missbräuchliche Dramatik einzusteigen. Rätselhaftes Verhalten wird verständlicher und löst eine betroffene Neugier aus, dem roten Faden der langsam intensiv werdenden Geschichte gebannt zu folgen. Sie führt uns bis an die eigene Schmerzgrenze.
Die subtile und klare Sprache hilft einem, das vermeintlich unverständliche Verhalten von Undine langsam, langsam zu verstehen. Ebenso das Selbstschädigende, das sich zeigt und auffordert, hinter die vordergründige Wirklichkeit zu schauen, welche so oft nichts als Selbstschutz nach grosser und tiefer Verletzung sein kann.
Ein Buch, welches sich unbedingt zu lesen lohnt. Sich darauf einzulassen, kann Augen und Herzen öffnen, welche sich bis anhin mit dem oberflächlichen Anschein zufrieden gaben! “ 

***

 5.0 von 5 Sternen, Erschütternd von Claudia Junger:


Elsa Rieger schafft es bereits von der ersten Seite an, den Leser zu fesseln und ihr klarer Schreibstil mit den kurzen Sätzen trägt sicher dazu bei. Unbedingt möchte man erfahren, wie die Geschichte um Undine, Dennis, Carla und Ahmad weitergeht. Nach und nach erfährt man mehr Details eines dunkles Familiengeheimnisses; immer weiter geht es zurück in die Vergangenheit. Der Leser ahnt Schreckliches; und ist am Ende doch erschüttert. 'LiebesWellen' ist auch eine Liebesgeschichte, aber in erster Linie einfach die furchtbare Geschichte eines durch eine schreckliche Begebenheit zerstörten, jungen Lebens.

Fazit: Hervorragend geschriebene, erschütternde Geschichte um ein lange zurückliegendes Familiengeheimnis. Ganz klare Leseempfehlung. 

***

Sigrid Wohlgemuth

Der Amerikaner Dennis Myers wird von seiner Mutter kurzerhand nach Europa geschickt. Er soll endlich etwas aus seinem Leben machen. Es verschlägt ihn nach Triest. Dennis joggt gerade zum San Giusto und denkt: Was macht das Leben eigentlich aus mir? Da schneit Undine in sein Leben. Überrollt ihn förmlich mit ihrer spritzig verrückten Art.
Dennis, der selbst nicht sicher ist, was er mit seinem Leben anfangen soll, wird schlagartig ins Leben von Undine hineingezogen. Für Undine Liebe auf den ersten Blick und Dennis ist damit überfordert. Es geht ihm alles zu schnell. Es bleibt ihm nicht einmal Zeit zum Luftholen, denn immer wieder passiert Unvorhergesehenes und reißt ihn aus der eigenen Bahn.
Hinzu kommt, dass Undine ständig Aussetzer hat, sie singt ein Gälisches Lied und erinnert sich später nicht daran. Unter anderem bekommt Dennis mit, dass Undine sich selbst Schnittwunden zufügt. Damit kommt er überhaupt nicht klar. Er will das Handtuch werfen, doch es gelingt ihm nicht, Undine sich selbst zu überlassen. Dennis ist hin und hergerissen und will dem Geheimnis, dass hinter Undines Art, sich zu geben, auf die Spur kommen. Er lässt sich auf Undine ein, um ihr zu helfen, das Trauma hinter sich zu lassen. Dennis gerät oft an seine Grenzen, besonders, weil Undine alles locker nimmt. Der Leser wird von Anfang an regelrecht mitgewirbelt durch Undines Wesen. Da gibt es kein Entrinnen, man steckt sofort mitten in der Geschichte und will wissen, was haben die Freundin Carla und Undines Vater mit all dem zu tun, warum verhält sich Undine eigenartig. Oft kommt verständliches Mitleid für Dennis auf, denn der Leser spürt, er ist Undines Wesensart nicht gewachsen, gibt jedoch nicht auf. Die Figuren kommen lebendig und wahrheitsgetreu rüber. Liebeswellen, sie rollen durchs gesamte Buch und erst am Ende taucht der Leser wieder auf in die Realität. 

18. April 2012

Soeben erschienen! Englische Ausgabe!


Leseprobe:



On a usual day, Bruno stepped in his pyjamas at six a.m. through his front door and complained about the weather, whatever that happened to be: sunshine or grey, cloud-covered sky. He came back inside, sat down at the kitchen table, and turned the pages of the daily paper. First off, he muttered curses aimed at the politicians of the moment, then turned to a detailed study of the TV program listings.
When Mimi refilled his cup with milk coffee for the third time, he folded the newspaper neatly and handed it to her.
Only on Sunday, she snatched the travel section away from him.
During her afternoon nap later that day, she would dream of graceful dancers in Bali in gold-yellow silks, of a musher’s sled drawn over the ice by a team of yelping huskies, of a night in the Serengeti, and of leopards whose eyes glittered in the moonlight. And she dreamed of people in all the countries they would visit in their travels, who would open their doors to them and invite them into their homes. After each siesta she woke up with rosy cheeks and felt the blood coursing through her veins.
Today, though, everything was different. Instead of complaining, Bruno stormed through the house they had called home for the past thirty years. He looked out over the garden. His only joy, thought Mimi, her eyes fixed firmly on him. Long ago, they had a plan: when children arrived, they would move to a home with large, sunny rooms. But the children never came.

He hadn’t touched the paper, had jumped to his feet after the first sip of coffee; now he was leaning against the sink, looking straight at Mimi with bright blue eyes: “Suggestion!”
The exclamation point in his voice made her look up. As she looked at Bruno in anticipation, the Travel Section seemed to subside between coffee mug and toast, seemingly of its own volition. The stubbles of Bruno’s beard reflected to morning sun; his fingers busied themselves with the collar of his pyjama top; Mimi cleared her throat as though wanting to help him find the right words. The corners of his mouth seemed to attempt a smile – a smile? Mimi asked herself. How long had it been since they last laughed together? Age had made a quibbler of him, humourless and stale.
Bruno scratched at his throat, took a deep breath.
Mimi could barely contain her curiosity, but the fear that he might again withdraw into himself if she should press him, was too great.
“I’m listening?” She tried to keep her voice as calm as possible.
There, in a blink of an eye!
“Yesterday, we got a letter - you were out, shopping. The house is paid off.”
Bruno extracted a folded paper from his pyjama pocket, smoothed it out, held it up to the sunlight. Then he crumpled it into a ball: “Be back in a minute!”
Mimi rushed to the window and watched him proceed to their only tree, spade in hand. After he had buried the letter, she saw him make the sign of three crosses in the air.
Now he sat with folded arms on the drainage board of the sink and nodded like the little dachshund nodder by the back window of the old Simca. “Wedged in between the neighbours’ houses, you can hear every fart,” he groused.
Mimi bit her lip.
Now his eyes moved to the flower-garlanded rim of the old kitchen clock.
How long would it take to get rid of the house, how far would we get? – Mimi asked herself.
Bruno jumped down from his perch and moved to the table. He got hold of the Travel Section. “Look what there is in this world,” he said, and put his finger on the photo of a gleaming white house with blue window frames. “Crete” was printed below.
Mimi reached for her coffee cup; the china rim clinked against her teeth.
“And when we run out of dough, we won’t have to worry, either: we’ll simply sleep under the stars and lie on the sun-warmed sand and catch fish in the sea.” His eyes twitched nervously.
“Bruno,” Mimi whispered.
(...)

Hier zu bekommen:
https://www.smashwords.com/books/view/152521
 und
https://www.amazon.de/dp/B007VBSJ22

25. März 2012


Leseprobe:

Jugendliebe

Lilo stößt mit dem Einkaufswagen gegen einen anderen.
„Tschuldigung“, stotternd will sie weiter.
„Lilo!“ ruft der bärtige Mann erfreut.
Sie erschrickt, zuckt zusammen, als sie die Stimme erkennt. Nach zwanzig Jahren klingt sie immer noch vertraut. Zögernd gleitet ihr Blick über den rötlichen Vollbart, die Augenfältchen des Mannes. Ihr Herz stolpert.
„Highlander“, stößt sie hervor. Sie weiß noch genau, wie die Clique ihm damals diesen Namen verpasste, aber seinen Vornamen hat sie vergessen. Auch das Lachen ist nicht mehr dasselbe – viel dunkler als früher.
„Mensch, Lilo, so hat mich seit Jahren keiner mehr genannt!“ Die hellgrauen Augen blitzen sie an. „Darauf müssen wir einen trinken!“
Lilo nickt.

Im Restaurant des Supermarktes wählt Lilo einen der kleinen Tische in der Fensternische.
„Ich hätte dich lieber neben mir ...“, sagt der Highlander.
Lilo macht eine abwehrende Handbewegung.
„So ist es schon gut.“ Sie bestellt Capuccino, er einen Erdbeer-Kiwi-Flip.
Zugelegt hat er, sicher zwanzig Kilo. Aber es steht ihm. Passt viel besser zu ihm, früher war er ein Zahnstocher gewesen.
„Seit wann trinkst du Obst?“ Lächelnd tunkt Lilo den Finger in den rahmigen Fruchtschaum und leckt ihn genüsslich ab. „Schmeckt himmlisch gut.“
„Seit ich in Neuseeland lebe“, sagt der Highlander. „Ich bin Winzer und baue Kiwi an. Aber am liebsten esse ich Früchte in Kombination mit Schlagrahm.“ Lustvoll tätschelt er seinen Bauch.
Ich hätte mit ihm gehen sollen, denkt sie.
„Und was treibt du so?“ Er legt den bunten Strohhalm neben den Glaspokal. Lilo zerrührt den Milchschaum. Zwingt sich zu lächeln.
„Ich arbeite im Bereich der Datenverarbeitung.“
„Nein. Was machst du im richtigen Leben?“ Er legt den Kopf zurück.
Erotik, immer noch. Obwohl es eine Ewigkeit her ist, spürt sie den Atem des Highlanders an ihrem Hals.
(...)

Und hier gibt es das eBook

20. März 2012

4. März 2012


1950 geboren, hab ich mit 6 Jahren erstmals einen Fernseher gesehen, es gab eine Kindersendung 1x pro Woche am Mittwoch 17h. Dann in der Schule waren LehrerInnen noch Respektspersonen, ebenso wie die Eltern. Stecken die heutigen mindestens ein "Halts Maul, du Opfer" von ihren Kids ein, war damals selbstverständlich, sich den Wünschen der Großen unterzuordnen. Bei mir war es ein bisschen anders, stamme ich doch aus einer liberalen Künstlerfamilie. Später gings dann so weiter
(Leseprobe aus Ein Mann wie Papa, Aavaa Verlag und beam:

Vor Jimi ging ich zum Eislaufen, kicherte mit meinen Freundinnen und genoss die Schulferien. Die Wände in meinem Zimmer waren mit Postern von Rex Gildo, Charlton Heston und Pierre Brice zugehängt.
Nach Jimi war ich nicht mehr dieselbe. Ich ging auf die Straße, dem Protest galt ab sofort mein ganzes Interesse. Bis auf die Zeit, die ich in der Schule absitzen musste, beteiligte ich mich an jeder Demonstration. Ich unterschrieb auf allen Listen, die mir unterkamen: Greenpeace, Amnesty International und alles gegen jeden Krieg. Meine Zensuren wurden noch schlechter – Ausdruck der Verachtung für das Establishment. Wir hockten im Volksgarten vor dem Palmenhaus, rauchten und verfluchten die Bourgeoisie, unsere Eltern, das Geld. Kamen Bürger an uns vorbei, schnorrten wir. Gaben sie nichts, verdammten wir sie, gaben sie ein paar Groschen, verdammten wir sie auch.
Die Jungen ließen das Haar wachsen, wir Mädchen schnitten es zentimeterkurz ab. Wir forderten Freiheit für alle. Ich umrandete meine Augen mit Kajal, schminkte die Lippen leichenblass, klaute Papas schwarzen Rollkragenpullover und Mamas Spitzenhöschen.
„Sex, Drugs and Rock’n’Roll“, brüllend schien ich der freien Liebe zu frönen. In Wahrheit traute ich mich nicht. Meine Eltern waren überzeugt, ich würde es tun. Darauf war ich sehr stolz. Papa tobte. Meine Mutter weinte und besorgte mir schleunigst die Antibabypille.

(c) Elsa Rieger

Auszug aus meinem Roman: Ein Mann wie Papa

Das Buch gibt es hier:

powered by eurobuch.com
Autor:
Titel:
Stichwort:
ISBN:

2. März 2012

24. Februar 2012


Ich bedanke mich erneut herzlich für eine sensible und gelungene Rezension hier:

Bruderlustigs Kopfnüsse: Elsa Rieger, 5 Minuten und vier Sekunden: Großartig und eindringlich beschrieben, die letzten 5 Minuten und vier Sekunden im Leben einer Selbstmörderin. Das Leben zieht an ihr vor...

Vielen Dank, Bruder Lustig!

21. Februar 2012



Novemberregen


Welcher Teufel hat mich geritten? Bin ich verrückt? Ich könnte den Abend gemütlich vor dem Fernseher verbringen und eine Tasse dampfenden Zimttee schlürfen. Stattdessen laufe ich durch den kalten Nieselregen, springe zur Seite, wenn die Autos nahe dem Randstein durch Pfützen fahren und das schmutzige Wasser mir in Fontänen entgegenspritzt. Ich tripple weiter, High Heels erlauben keine großen Schritte, außerdem bin ich sie nicht mehr gewöhnt. Ich betrachte mich in den angelaufenen Schaufensterscheiben. Dämlich sieht das aus, wie ich mit nach vorn geneigtem Oberkörper, herausgestrecktem Hintern und nickendem Kopf vorwärts eile. Als wäre ich ein Huhn! Ich halte inne. Gehe gemächlicher weiter. Komme ich eben zu spät, na und? Seit Tagen hat er das Date vorbereitet, seine Mails und Telefonate wurden von Mal zu Mal erotischer, manche trieben mir die Schamesröte in die Wangen. Dann kam das Flugticket per Post.
Nie findet man ein Taxi, wenn es regnet. Als ob man sie nur bei strahlendem Sonnenschein benötigen würde! Ich stelze über die Place Vendome, der Wind zerrt an mir, Tropfen unterwandern den Regenschirm, benetzen mein Gesicht. Ein paar Meter noch und die Lobby des Hotels nimmt mich auf.
Seit ich denken kann, wollte ich das Ritz Paris von innen sehen. Die Pracht verschlägt mir den Atem. Ich durchquere auf dem Weg zum Lift Üppigkeit in Gold, Weiß, Orange. Mir zittern die Knie, mein Herz flattert. Der dem Ticket beigelegte Brief sagte in anzüglichen Worten, ich möge in das Zimmer 519 gehen und mich nach der detaillierten Beschreibung vorbereiten. Warten. Auf ihn warten.
Der Liftboy im Livree tritt zur Seite, ich steige ein und krächze: „Fünfte Etage.“
Der orangefarbene Teppich schluckt das Geräusch meiner Schritte. Ich gehe vorbei an goldenen Nummern auf mattweißen Türen; 519 ist einen Spalt offen. Ich betrete das Zimmer. Zimmer? Eine Suite! Das Glanzstück des Wohnraums ist ein offener Kamin aus weißem Marmor. Davor steht ein cremefarbener Ohrensessel, auf ihm das Kostüm drapiert.
Ich befühle den duftigen, weißen Musselin, das hellblaue Samtband unterhalb des gerafften Bustiers. Vor dem Sessel stehen Pantöffelchen aus lichtblauem Brokat. Napoleon wird bald erscheinen und so lasse ich meine Kleider zu Boden fallen, suche das Bad auf, quietsche vor Entzücken über den Anblick der schwarzen und rosafarbenen Fliesen und dusche den Reisetag ab. Danach hülle ich mich in den Empiretraum, der wie angegossen sitzt. Das bodenlange Kleid umschmeichelt jeden meiner Schritte, streichelt mich federleicht. Ich schwebe in den angrenzenden Raum. Verspiegelte Wände, in denen sich das ausladende Himmelbett hundertfach wiederholt. Wohlige Schauer auf meiner Haut, als ich mich selbst in endloser Vervielfältigung erblicke. Ich lasse mich auf der seidigen, rubinroten Decke nieder, lege mir das vorbereitete Satinband in derselben Farbe über die Augenlider und binde es im Nacken zusammen. Die Hände in den Schoß gelegt, erlausche ich den Raum.
Mein Atem übertönt die Stille, es ist, als gäbe es nichts außer ihm. Endlich spüre ich einen kühlen Lufthauch, nehme mit allen Fasern geräuschlose Körperlichkeit wahr, die immer näher kommt und verharrt. Ich fühle den Busen unter dem zarten Musselin beben. Finger ziehen die Konturen meines Mundes nach, ich öffne die Lippen, erwartungsvoll. Meine Schenkel vibrieren, Hitze durchflutet mich. Das Schweigen wird unerträglich, ich flüstere (...)

Leseprobe aus meinem eBook: Liebe? Nein, danke!
zu beziehen bei:
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auch bei beam-ebooks als EPUB

(c) ELsa Rieger
Bildausschnitt: Hans Makart

31. Januar 2012

LIEBESWELLEN:


Klappentext:
Triest im Mai. Der Amerikaner Dennis trifft die Italienerin Undine. Zunächst fasziniert von ihrer unwirklichen Schönheit, dann berührt von dem Schmerz, den er ahnt, entwickelt sich Liebe. Sie ist eine Nixe, sagt sie. Sie zerschneidet sich die Brüste, singt in einer fremdartigen Sprache, leidet unter ‚Halluzinationen’, unverständlich für sie selbst, für ihn.
Dennis, bisher ohne Lebenssinn, ist besessen von der Aufgabe, ihr beizustehen und wühlt in ihrer Vergangenheit. Undine beginnt ihm zuliebe in Hypnosesitzungen nach und nach die fehlenden Puzzleteile hervorzuholen. Alles fügt sich zusammen. Sie spaltete ihre Persönlichkeit als Überlebensstrategie auf. Nun ist sie erwacht. Stellt sich dem Leben. Kann die traumatische Erfahrung geheilt werden? Ist die Liebe stärker als der Schmerz? Lesen Sie selbst.


Leseprobe:
„Was soll die Geheimnistuerei?“ Ich steige ins Auto, schmeiße frustriert die Tür zu.
„Verdirb uns nicht den Tag, Dennis.“
Du wirst meine Fragen schon noch beantworten, das schwöre ich dir! Gianna Nannini singt irgendwas im Radio, Undine summt mit.

„Okay, lass uns Spaß haben“, lenke ich ein, „ich mag Muggia, bin einige Male mit dem Bus hier gewesen. Die Rosterias am Hafen bieten fangfrische Meeresfrüchte an, echt lecker.“
Sie nickt und zwickt mich in den Schenkel. Ich glühe vor Lust auf sie.
Das Bad liegt an der Küstenstraße. Stufen führen zum Wasser. Undine legt Jeans und Shirt ab, ich wundere mich über den einteiligen schwarzen Badeanzug, den sie darunter anhat.
„Wieso trägst du keinen Bikini?“
„Ach, die Bändchen verrutschen dauernd.“ Sie klettert die in den Karstfelsen geschlagenen Stufen zum Wasser hinunter.
Während ich unter dem um die Hüften geknoteten Badetuch die Hosen wechsle, schwimmt sie bereits. Ich springe hinterher – es ist kalt –kraule so schnell es mir möglich ist, unmöglich sie einzuholen. Wie ein Delphin zieht Undine durchs Wasser, fast geräuschlos. Ich hingegen platsche wie ein Nilpferd. Ich gebe auf und paddle in Rückenlage zurück. Lege mich in den warmen Sand.
Ab und zu glaube ich weit draußen zwischen den Wellen Undines Kopf zu erkennen. Sie wird sich erkälten, es ist nur in der Sonne am Strand heiß. Hinten bei der Uferstraße ist ein Getränkestand, ich hole Orangiata.
Nach einer Ewigkeit klettert Undine aus dem Wasser. Sie zittert, die Zähne schlagen aufeinander.
„Du warst zu lange drin.“
„Bist du mein Vormund, oder was? Mir geht es bestens.“ Sie trocknet sich ab, ihre Lippen presst sie zusammen.
„Ach komm, ich mach mir halt Sorgen.“ Ich will keinen Krach. Dann rennt sie vielleicht weg und ich kann nachher mit dem Bus zurückzufahren. Wenn sie nur nicht wieder ausflippt, dann möchte ich keinesfalls in ihrer Nähe sein.
Nun liegt sie auf meinem Strandtuch. In Wahrheit möchte ich immer in ihrer Nähe sein.
Undine nimmt ein Steinchen auf, kickt es mit Daumen und Zeigefinger in meine Richtung. „Ich habe Hunger. Gehen wir in die Rosteria, von der du im Auto erzählt hast.“
Ich jubiliere. „Gern!“
Wir ziehen uns an.

In der kleinen Gaststätte finden wir einen freien Tisch unter wildem Wein. Die Sonne schimmert durch die Blätter, malt Schattenspiele aufs weiße Tischtuch und Undines nackte Arme. Sie bestellt Miesmuscheln.
„Du bist ein wunderbarer Mann. Ich möchte dir niemals wehtun. Ich weiß, manchmal wirkt es so.“
„Was sagst du denn da“, wehre ich ab und werde rot.
„Und deswegen erzähle ich dir mein Geheimnis.“ Sie beugt sich über den Tisch. „Ich bin eine Nixe.“
Ich trinke einen Schluck Wein. „Was?“
„Du glaubst mir nicht? Das ist schade. Ich werde daraus die Konsequenzen ziehen.“ Sie schnippt der Wirtin zu.
„Reg dich nicht auf, bitte. Erklär’s mir, damit ich es verstehe.“
„Was gibt es da zu erklären?“ Sie verdreht die Augen. „Es ist, wie es ist. Bruno und Mara Botazzi haben mich adoptiert. Aber sie tun so, als sei ich ihr leibliches Kind. Sie lieben mich abgöttisch.“
„Aha.“
Die Wirtin fragt, ob der Fisch nicht gut sei. Ich habe kaum etwas gegessen. Ich lächle entschuldigend. Undine hat alles aufgegessen. „Komisch. In deiner Nähe esse ich wie nie! Du siehst, ich liebe dich!“ Sie strahlt.

Rezension auf Amazon von Sigrid Wohlgemuth:
Der Amerikaner Dennis Myers wird von seiner Mutter kurzerhand nach Europa geschickt. Er soll endlich etwas aus seinem Leben machen. Es verschlägt ihn nach Triest. Dennis joggt gerade zum San Giusto – denkt: Was macht das Leben eigentlich aus mir? Da schneit Undine in sein Leben. Überrollt ihn förmlich mit ihrer spritzig verrückten Art.
Dennis, der selbst nicht sicher ist, was er mit seinem Leben anfangen soll, wird schlagartig ins Leben von Undine hineingezogen. Für Undine – Liebe auf den ersten Blick und Dennis ist damit überfordert. Es geht ihm alles zu schnell. Es bleibt ihm nicht einmal Zeit zum Luftholen, denn immer wieder passiert Unvorhergesehenes und reißt ihn aus der eigenen Bahn.
Hinzu kommt, dass Undine ständig „Aussetzer“ hat, sie singt ein Gälisches Lied und erinnert sich später nicht daran. Unter anderem bekommt Dennis mit, dass Undine sich selbst Schnittwunden zufügt. Damit kommt er überhaupt nicht klar. Er will das Handtuch werfen, doch es gelingt ihm nicht, Undine sich selbst zu überlassen. Dennis ist hin und hergerissen und will dem Geheimnis, dass hinter Undines Art, sich zu geben, auf die Spur kommen. Er lässt sich auf Undine ein, um ihr zu helfen, das Trauma hinter sich zu lassen. Dennis gerät oft an seine Grenzen, besonders, weil Undine alles locker nimmt. Der Leser wird von Anfang an regelrecht mitgewirbelt durch Undines Wesen. Da gibt es kein Entrinnen, man steckt sofort mitten in der Geschichte und will wissen, was haben die Freundin Carla und Undines Vater mit all dem zu tun, warum verhält sich Undine eigenartig. Oft kommt verständliches Mitleid für Dennis auf, denn der Leser spürt, er ist Undines Wesensart nicht gewachsen, gibt jedoch nicht auf. Die Figuren kommen lebendig und wahrheitsgetreu rüber. Liebeswellen – sie rollen durchs gesamte Buch und erst am Ende taucht der Leser wieder auf in die Realität.


Hier zu haben:
Kindle Amazon

28. Januar 2012

Gar Schreckliches trägt sich zu in diesem Kriminalroman:


Klappentext:
Polizisten, Privatdetektive und Geheimdienstleute gibt es in der Literatur wie Sand am Meer. Unbezwingbare Helden oder saufende Versager mit Glück.
Hier ist alles anders. Menschen finden sich zusammen, um gemeinsam Verbrecher zu jagen. Sie sind alles andere als typisch. Ihr Beruf mag sie formal begrenzen, aber immer finden sie einen Weg neben dem Dienstweg. So international wie das Verbrechen sind auch die Ermittler.

In einer losen Reihe von Büchern und wechselnden Besetzungen lösen sie ihre Fälle und müssen doch immer wieder einiges am Wege liegen lassen. Oft genug ein Anstoß für spätere Ermittlungen.

Der hier vorliegende Band beschäftigt sich mit dem internationalen Auftragsdiebstahl von Kunst. Ähnlichkeiten mit realen Fällen und Personen sind reiner Zufall und natürlich vollständig unbeabsichtigt.

Weitere Bände sind in Arbeit.


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Leseprobe:

1. Die Wasserleiche

Gewalt ist die letzte Zuflucht des Unfähigen
Isaac Asimov



Wien, 3. Februar 2006 - 10 Uhr 15

„Schickt’s den Leichenwagen, da ist a Wasserleich’.“
„Wo sind Sie denn?“
„Na, auf der Donauinsel, gleich bei der Mexikokirchen herüben.“
„Wir kommen, gehen Sie bitte nicht weg, Herr ...?“
„Ist wurscht, i hab’s ja nur g’funden.“
Franz Huber legte auf. Es war ein saukalter Freitag. Eigentlich hätte er heute Frühschluss. „Hoffen wir, es ist ein hundsordinärer Selbstmord. Komm, gemma.“
„Herr Hauptkommissar, wenn’s Suizid ist, warum muss dann die Mord ausrücken?“ Der junge Kollege rieb sich die Hände, anscheinend fror er bei dem Gedanken an den eisigen Wind, dem sie gleich ausgesetzt sein würden.
„Tschikowski, mach keinen Aufstand. Das ist eben so. Die Mord ist bei jedem Toten dabei. Anziehen, los!“
Huber zog die Russenkappe aus Seehundfell über die Ohren; seit er Glatze trug, war er ständig erkältet im Winter. Er riss das Tor des Gebäudes in der Leopoldgasse auf, in dem das Morddezernat untergebracht war, und schon pfiff der Nord unter seinen hellbraunen Dufflecoat.
Obwohl er gern kochte und Freunde zum Essen einlud, war Franz Huber klapperdürr. Er kam schon so auf die Welt und seit 55 Jahren hatte sich nichts daran geändert. „Scheiße“, zischte er.
Tschikowski fuhr den Wagen vor.
Der Anrufer war nicht zu entdecken. Das erste, was Huber an der nackten Toten auffiel, die halb im Wasser, halb auf der Böschung lag: dass sie trotz des verquollenen Fleisches, das blassgrün schimmerte, eine Schönheit war.
„Einen Ausweis wird’s wohl nicht dabei haben!“ Tschikowski zuckte verärgert mit den Achseln, blinzelte gegen den Nordwind der Spurensicherung und dem Pathologen entgegen.
„Die Leich' ist tot“, ertönte windzerfetzt der übliche Kampfruf von Professor Dr. Hugo Rokitansky, der trotz Namensgleichheit nicht mit dem Begründer der 2. Wiener medizinischen Schule verwandt war, diesen aber ohne Probleme an Ausdruckskraft übertraf. Nachdem der schwere Mann sich das Ufer hinabgewälzt hatte, tänzelte er merkwürdig leicht um die Leiche herum und erzählte seinem Diktiergerät, was er sah:
„Weibliche Leiche, zwischen dreißig und vierzig, Würgemale am Hals, Abwehrverletzungen an den Armen und Beinen, Wassertemperatur 9 Grad, Leiche auf Wassertemperatur, vermutliche Todeszeit nach Anschauung vor zirka vierzehn Stunden. Keinesfalls wurde sie im Wasser oder am Ufer getötet. Sie hat Druckstellen, wie sie von gefalteter Plastikfolie entstehen, ist demnach als Leiche transportiert worden. Verdacht auf Sexualdelikt.“
Kaum hatte er das Gerät ausgeschaltet, krähte Tschikowski missvergnügt los: „Was heißt Verdacht auf Sexualdelikt! Ist es eins oder nicht?“
Rokitansky musterte ihn, wie ein interessierter Forscher ein besonders hässliches Insekt betrachtet. „Tschik, du schaust fürchterlich aus. Jedesmal, wenn ich di seh, muss ich an einen nassen Hund denken, der bellt. – Hände und Füße eintüten. Wir machen die Fingerabdrücke.“ Mit einem vernichtenden letzten Blick auf den jungen Mann, der stumm mit den Kiefer mahlte, stapfte er wieder davon.
„War das nötig“, fragte Huber seinen Assistenten, „Rokitansky hasst blöde Meldungen mehr als den Tod.“ Er wandte sich den Männern zu, die der Professor zurückgelassen hatte, „Passt’s ein bisserl auf, auch ein toter Mensch ist ein Mensch.“
Der Zinksargdeckel wurde geschlossen, nächste Station war die Pathologie.
„Also fahren wir“, sagte Huber, kletterte die Böschung hinauf, im Schlepptau Tschikowski, und stieg fröstelnd in den Funkwagen.
„Mir ist schlecht“, knirschte der junge Kommissar zwischen den Zähnen hervor und drehte den Zündschlüssel.
„Dann steig aus und speib draußen“, war Hubers lakonischer Kommentar.
Tschikowski schluckte und schüttelte den Kopf.


2. Helga Brenner weiß was


Man rettet zukünftige Opfer auch dadurch,
dass man Leute davon abbringt,
zukünftige Täter zu sein.
Martin Walser



Wien, 6. Februar 2006 - 11 Uhr 00


Helga Brenner lag in der Badewanne. Im schaumknisternden, nach Rosengeranie duftenden Wasser kamen ihr immer die besten Ideen, wenn ein Fall unlösbar schien.
Am schnellsten fiel ihr etwas Kluges ein, wenn Drago, ihr serbischer Geliebter und Geiger von Beruf, am Wannenrand saß und geigte. Seine dunklen Augen ruhten wohlgefällig auf ihrer Nacktheit.
Manchmal sagte sie: „Schau nur. Ich bin laut Vogue mit 32 im schönsten Alter. Ab 35 geht es bergab.“
Drago unterbrach dann regelmäßig für einen Moment das Spiel. „Bei mir bist du scheen, come let it explain“, sang er.
Helga kicherte.
Ihre Privatdetektei hatte keine neuen Fälle, daher lag sie mit der Wiener Kronenzeitung im Schaum. Drago war gerade unterwegs; er unterrichtete tageweise am Konservatorium in der Johannesgasse unbegabte Kinder, deren Eltern sich einbildeten, sie hätten einen neuen Yehudi Menuhin gezeugt.
Helga stutzte, als sie die Chronikseite studierte.
Wasserleiche an der Donauinsel angeschwemmt.
Die Leser der Kronenzeitung waren es gewohnt, Fotos von lebenden Politikern zu sehen, die wie Leichen aussahen. Hier hatte sich der Fotograf jedoch selbst übertroffen. Das kam eindeutig direkt vom Seziertisch. Natürlich mit nackten Brüsten und Bauchnabel. Da würde heute wohl ein Physikant der Pathologie ein Viertel Wein mehr trinken können.
Helga stutzte. Sie kannte die Frau. Zwar nicht in diesem Zustand, sondern sprühend vor Leben in atemberaubender Garderobe. Sie hatte für sie schon mehrfach mögliche Kunden auf deren Solvenz geprüft, ohne allerdings genau zu wissen, um welche Geschäfte es ging.
Helga hinterließ eine nasse Spur vom Bad durch die Diele bis ins Wohnzimmer, um ihre Zehen bildete sich eine kleine Pfütze, als sie wartete, dass das eintönige Freizeichen endlich aufhöre.
„Morddezernat 2. Bezirk, Huber, guten Tag.“
„Hallo Hubsi. Wie geht es dir?“
„Servus. Was willst?“
„Äh ...“
„Na komm schon, nie im Leben rufst du mich auf der Mord an, wenn es ein Freundschaftsgespräch wär, kenn dich doch.“
Helga hörte, wie er feixte. Sie hatte eine Gänsehaut; die Wohnung war gut geheizt, aber vom Wohnzimmerfenster zog es kalt herein. „Ich muss etwas überziehen, warte einen Moment, Hubsi.“
„Bist nackt? Wie nett!“
„Ach du!“ Helga legte den Hörer ab und lief um ihren Bademantel. Dann kuschelte sie sich auf das ziegelrote Ikeasofa. „So. Ich habe die Zeitung gelesen. Die Wasserleich' kenn ich.“
„Da schau her! Und wie heißt die Schöne?“ Huber hielt den Stift griffbereit.
Elisabeth von Marai.“
„Ja, und? Weiter, Helga“, knurrte der Kommissar.
Helga zündete eine Zigarette an. „Hetz mich nicht, Hubsi. Sie hatte mich vor zwei Monaten angeheuert, um einige ihrer Kunden auf Solvenz zu überprüfen ...“
„Welche Branche?“
„Das war ja das Merkwürdige dran, sie hielt sich völlig bedeckt. Als ich nachbohrte, meinte die Marai, sie würde sich eben jemanden anderen suchen. Konnt' ich mir nicht leisten, Hubsi, deswegen hab ich die Kröte gefressen.“ Helga formte mit spitzen Lippen und gerollter Zunge einen perfekten Rauchring.
„Mach es nicht so spannend, ich habe keine Zeit.“
„Pass auf, ich bekam drei Namen. Zwei waren seriöse Männer, einer von ihnen ein Arzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, der andere Buchhalter im Konkurs, also nicht flüssig. Der dritte aber ...“
Huber trommelte auf die Schreibtischplatte, Helga grinste. „Du kriegst noch einen Herzinfarkt, beruhige dich! Ich fand heraus, der Typ verschiebt rumänische und moldawische Mädchen. Menschenhandel. Als ich der Marai das mitteilte, flippte sie aus in meinem Büro. Knallte meinen Bleikristallascher zu Boden – zum Glück hielt er das aus, du weißt, es ist das einzige Erinnerungsstück, das ich von meinem Papa habe.“
„Ja, ich weiß. Weiter!“
„Weiß wie Kopierpapier ist sie geworden und geschimpft hat die – ich glaube, es war russisch. Dann warf sie das Honorar in Scheinen auf den Tisch, sagte, sie wolle mich nur an meine Schweigepflicht erinnern und rannte schimpfend hinaus. Finito.“
„Hm ... vielleicht ist das der Mörder. Wie heißt er?“
„Es ist bestimmt ein falscher Name.“ Helga kicherte.
„Na?“ Der Bleistift zerbrach in Franz Hubers Fingern.
„Enrico Corleone.“
„Mist! Trotzdem danke, jetzt werden wir die Tote lebenstechnisch auseinandernehmen.“

Dieser Blog wird durch das Deutsche Literaturarchiv Marbach archiviert.

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